WM in Berlin : Meister aller Tänze

Die beiden Deutschen Christoph Kies und Blanca Ribas Turón wurden in Berlin zum dritten Mal in Folge Weltmeister über zehn Tänze, weil sie in allen Disziplinen konstant gut waren.

Anke Myrrhe
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Perfektes Zusammenspiel. Die Weltmeister Blanca Ribas Turón und Christoph Kies.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Berlin - Ein Raunen ging durch die Halle. Blanca Ribas Turón hielt sich den Knöchel – das Publikum hielt den Atem an. Die amtierenden Weltmeister über zehn Tänze waren zu Beginn des Halbfinals beim schnellen Quickstepp aus vollem Lauf mit dem französischen Paar zusammengestoßen. Kurz dachten die rund 5000 Zuschauer in der Max-Schmeling- Halle, die beiden Deutschen würden vielleicht durch eine Unachtsamkeit um ihren dritten WM-Titel gebracht werden. Doch es war nichts Schlimmeres passiert, Ribas Turón konnte ohne Probleme weitertanzen – zum Sieg. Nach 42 Tänzen über Vor- und Finalrunden stand um 0 Uhr 30 in der Nacht zum Sonntag endlich fest: Christoph Kies und Blanca Ribas Turón gewannen zum dritten Mal in Folge die Weltmeisterschaft in der Kombination.

Auch wenn Kies und Ribas Turón in Berlin als Favoriten antraten, hatten sie selbst nicht damit gerechnet, dass sie so ungefährdet siegen würden. „Wir sind den anderen Spitzenpaaren das gesamte Jahr über kaum begegnet“, sagte Christoph Kies, „wir wussten nicht, wie stark sie sein würden, oder ob es nicht doch eng werden könnte.“ Doch eng wurde es am Ende gar nicht: Mit acht Punkten Vorsprung gewannen die Deutschen überlegen – normal sind bei Weltmeisterschaften zwei oder drei Punkte Abstand. Im Verlauf des Abends hatte Christoph Kies aber schon mal den ein oder anderen Blick auf die Konkurrenz geworfen und „gespürt, dass es möglich sein würde“, sagte er.

Dass es bei einer WM über zehn Tänze nicht ratsam ist, sich lediglich auf eine der beiden Disziplinen zu konzentrieren, erlebten am Samstag die Russen. Andrej Sajzew und Anna Kusminskaja landeten in allen fünf Lateintänzen des Finals auf dem ersten Platz, wurden dafür aber in allen fünf Standarddisziplinen nur Sechste von sechs Finalpaaren. Insgesamt reichte es deshalb nur für Platz drei. Davor platzierten sich die mitfavorisierten Misa Cigoj und Alexandra Malai aus Slowenien.

In allen Disziplinen ausgeglichen zeigten sich einmal mehr die beiden Deutschen, die dementsprechend durchweg kaum erste Plätze in den Einzelwertungen belegten, sich aber bei keinem Tanz wirkliche Schwächen erlaubten. In der Summe war die Entscheidung dann eindeutig für die Wertungsrichter. Wo das ungeschulte Auge kaum Unterschiede feststellen kann, da genügen ihnen oft ein paar Sekunden, um über Sieg oder Niederlage zu entscheiden. „Manchmal reichen drei Takte, um zu wissen: Dieses Paar kommt nicht in Frage“, sagt Christa Fenn, deutsche Wertungsrichterin in Berlin. Einen Weltmeisterbonus gab es ihrer Meinung nach aber nicht. „Natürlich weiß man wer Weltmeister ist und achtet besonders darauf“, sagte Fenn. „Das kann aber auch ein Nachteil sein, weil man von diesem Paar natürlich besonders viel erwartet.“ Die beiden Deutschen aber enttäuschen ihre hohen Erwartungen am Samstag keineswegs.

Euphorisch angefeuert von einer mit gelben T-Shirts bekleideten Fangruppe, die das Foto der Deutschen auf der Brust trug und nahezu einen gesamten Block der Max-Schmeling-Halle füllte, blieben Kies und Ribas Turón bei allen 42 Tänzen des Abends erstaunlich ruhig. „Durch die vielen Fans war der Druck vorher natürlich besonders hoch“, sagte Kies später, „aber dann waren wir viel lockerer als ich gedacht hatte und vor dieser Kulisse hat es besonders großen Spaß gemacht.“

Auch die Familie der gebürtigen Spanierin war am Samstag aus Barcelona angereist. Dort wird die WM im kommenden Jahr ausgetragen. Ob Christoph Kies und seine Partnerin den vierten Titel in Ribas Turóns Heimat angehen werden, dazu wollten sie sich noch nicht äußern. „Wir werden uns in Ruhe mit unseren Trainern zusammensetzen und darüber nachdenken“, sagte Ribas Turón vorsichtig, während ihr Partner deutlicher wurde: „Ich denke schon, dass es weiter geht.“ Erst einmal versanken die alten und neuen Weltmeister in der Nacht zum Sonntag in einem Meer von gelben T-Shirts und feierten den ungefährdeten Titel.

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