• WM Kolumne: Der fiese Betrug der Stockfische Moritz Rinke über den Unterschied von Frauen- und Männerfußball beim Einlaufen und im Spiel

WM Kolumne : Der fiese Betrug der Stockfische Moritz Rinke über den Unterschied von Frauen- und Männerfußball beim Einlaufen und im Spiel

Das Schönste am Frauenfußball ist, dass man ihn nicht mit Männerfußball vergleichen kann. Es geht schon los, wenn die Spielerinnen mit den Kindern an der Hand einlaufen. Bei den Männern sieht das immer so aus, als würden sie mit einer Gießkanne über die Wiese laufen. Sie halten die Hände der Kinder wie Henkel und starren beziehungslos geradeaus. Stockfische mit einer Gießkanne, die über eine Wiese laufen. So beginnt immer Männerfußball.

Wie anders das dann beim Eröffnungsspiel der Frauen war. Die Spielerinnen waren bestimmt genauso aufgeregt wie die Kinder, aber es war – ganz ehrlich – umwerfend und rührend, wie sie dieses Erlebnis miteinander teilten. Sogar beim Einlauf USA gegen Nordkorea war es rührend!

Ich schaue mir aber nicht nur das Einlaufen an, sondern auch die Spiele. Und für mein Gefühl bekommt man hier auch mehr Fußball geboten als von den Männern. Wenn zum Beispiel beim Männerfußball italienische Spieler auf dem Feld sind, hat eine Partie eigentlich nur circa 40 Minuten reine Spieldauer. Die restliche Zeit wird gemeckert, schwere Verletzungen vorgegaukelt, das Spiel verzögert oder wirklich fies gefoult. Und bei den Frauen? Da läuft der Ball, anders ja, aber er läuft! So gesehen ist ein Männerspiel Inter Mailand gegen Bayern München glatter Betrug.

Ich möchte hier nicht den Frauen-Versteher spielen, aber mir geht die Überheblichkeit der Männer auf den Sack. Das ist sogar anstrengend, wenn sie betont aufgeschlossen wirken wollen. Beim Eröffnungsspiel saß ein Fußball-Funktionär mit seiner Frau vor mir. Er selbst sah aus, als wäre er nicht mal in der Lage, einen Pass über zehn Meter zu spielen, rief aber ständig: „Na, schau dir das an, Hannelore! Nicht schlecht!“

Auch bei den Fernsehkommentatoren wirkt der Zuspruch manchmal etwas aufgesetzt. Beim Spiel USA gegen Nordkorea sprach der ZDF-Reporter vom „Hexenkessel in Dresden“. Es gab aber keinen „Hexenkessel“, das war ein völlig entspannter Abend mit einem wirklich schönen Flügelspiel der Nordkoreanerinnen, nur der Reporter wollte es überdramatisieren, vielleicht fehlten ihm die italienischen Fouls.

So. Heute spielen unsere Frauen gegen die „Super-Falken“ aus Nigeria! Ich weiß nicht, wie es ausgeht, aber ich freue mich, dass der Ball laufen wird.

An dieser Stelle wechseln sich der Schriftsteller Moritz Rinke, Turbine Potsdams Coach Bernd Schröder, der langjährige Bundestrainer Gero Bisanz und DFB-Jugendtrainerin Anouschka Bernhard ab.

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