WM Kolumne : Geld her, meine Herren

Gero Bisanz weiß, warum die Frauen-Bundesliga nicht von der WM profitiert

Die Sportschau will keine Spiele der Frauen-Bundesliga zeigen. Das überrascht mich nicht, ich habe schon zu Anfang der WM gesagt, dass dieses Turnier die Liga nicht nachhaltig verändern wird. Für ein größeres öffentliches Interesse muss das Spiel besser werden, bei vielen Ligapartien fehlt einfach die Qualität. Wenn der Erste gegen den Letzten spielt, geht das schon einmal 7:1 aus. Es ist leider so, dass mit Frankfurt, Duisburg und Potsdam drei Vereine dominieren. Sie haben finanziell die besten Möglichkeiten, finden Sponsoren, um Transfers von Nationalspielerinnen zu stemmen, und lassen die kleinen Vereine ausbluten. Für die Entwicklung des Frauenfußballs wäre es aber gut, wenn es in vielen Vereinen Nationalspielerinnen gäbe, die ihre Mitspielerinnen aufrichten und mitziehen, von denen sie sich Dinge abschauen können.

Klar, jetzt bei der WM haben Millionen zugeschaut, aber wenn die Männer am Samstag zum Männerfußball gehen, dann werden sie sich nicht zusätzlich Frauenspiele ansehen. Das geht auch alles nicht so schnell, unser Sport ist erst 30 Jahre alt, das muss wachsen. Die Vereine, nicht nur die großen drei, sondern vor allem die dahinter, müssen sich ihr eigenes Publikum heranholen. Jetzt im Stadion waren ja auch viele Zuschauer aus Schweden, den USA oder Japan. Das Klientel der Bundesligisten liegt aber in der näheren Umgebung, die Leute muss man ins Stadion locken. Denn wenn etwa Potsdam in Frankfurt spielt, kommen da höchstens Familienmitglieder und einige Interessierte als Auswärtsfans mit.

Dafür müssen gerade die kleineren Vereine auf ein höheres Niveau kommen, athletischer trainieren. Aber außer den Nationalspielerinnen haben ja fast alle nebenher einen Beruf. Für ein höheres Niveau müsste man also Geld in die Hand nehmen. Die Sponsoren, die sich bei der WM mit dem Frauenfußball geschmückt haben, aber auch Vereine wie Bayern München oder der 1. FC Köln müssten langfristig in ihre Frauenabteilungen investieren. Doch die brauchen ihr Geld ja für ihre männlichen Profis und einige haben nicht mal dafür genug.

An dieser Stelle wechseln sich der langjährige Bundestrainer Gero Bisanz, DFB-Jugendtrainerin Anouschka Bernhard, Turbine Potsdams Coach Bernd Schröder und der Schriftsteller Moritz Rinke ab.

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