• WM Kolumne: Ich bin Besseres gewohnt Gero Bisanz hofft, dass sich die DFB-Elf steigert

WM Kolumne : Ich bin Besseres gewohnt Gero Bisanz hofft, dass sich die DFB-Elf steigert

Foto: picture-alliance/ dpa

Ich muss ehrlich sagen: Ich war vor dem Auftakt der deutschen Mannschaft zwar ein wenig skeptisch, hatte aber insgesamt ein besseres Gefühl als jetzt nach dem Spiel. Denn was ich im Stadion gesehen habe, war nicht das Niveau, das ich von der Mannschaft gewohnt bin. Da gab es Fehlpasse und im Abwehrverhalten wurde nicht eng genug gedeckt. Die Spielerinnen wollten einfach keine Fehler machen und haben möglicherweise dadurch Bälle ohne Not ins Aus geschlagen. Normalerweise würden die Abwehrspielerinnen ihre Gegenspielerinnen da mit einer Finte ins Leere laufen lassen. Doch da muss man ein Auge zudrücken, die Erwartungshaltung und der Druck waren immens groß.

Die Probleme der deutschen Elf hatten jedoch auch mit den Kanadierinnen zu tun, die unorthodox gespielt haben, fast ohne festes System. Da lief eine Spielerin mal rechts außen, dann in der Mitte und dann in der Abwehr. So ist Kanada noch einmal herangekommen, der Freistoß zum 1:2 war ein Super-Schuss, wenn er wirklich so gewollt war.

Die Niveauunterschiede sind insgesamt einfach geringer als früher. 1991 bei der WM in China galten wir als Mitfavorit, aber ich hatte mein Team vorher nur zehn Tage beisammen. Im Halbfinale haben wir 2:5 gegen die USA verloren, die sich ein halbes Jahr vorbereiten konnten. Mittlerweile haben die meisten Mannschaften solche Möglichkeiten zur Vorbereitung, sind technisch, taktisch und athletisch besser ausgebildet. Wobei nur drei, vier Kanadierinnen technisch mit unseren Spielerinnen mithalten konnten. Aber nach dem 2:1 kann Silvia Neid ihrer Mannschaft sagen:Wenn ihr euch nicht konzentriert, dann bekommt ihr selbst gegen Kanada Probleme. Im nächsten Spiel gegen Nigeria treten die Spielerinnen sicher mit einer anderen Einstellung auf, mit drei Punkten im Rücken und ohne großen Druck. Da werden sie ihre Spielfreude zeigen, die sie sonst auszeichnet. Lassen sie aber alles laufen, wird es schwer mit dem Titelgewinn.

An dieser Stelle wechseln sich der langjährige Bundestrainer Gero Bisanz, DFB-Jugendtrainerin Anouschka Bernhard, Turbine Potsdams Coach Bernd Schröder und der Schriftsteller Moritz Rinke ab.

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