WM Nebenschauplatz : Ich bin Solo-Fan

Moritz Rinke entdeckt eine Löwin, die Elfmeter tötet, und Frauen im Männerfußball

Moritz Rinke
Moritz Rinke.Foto: Mike Wolff

Glückliche Japanerinnen! Was war das für ein schönes Bild! Auf der anderen Seite: Deutsche Erschütterung! Die Welt geht unter ... In der Dramenlehre nennt man das Ständeklausel oder Fallhöhe. Aristoteles würde sagen: Tragisches Scheitern kann nur dargestellt werden, wenn die Deutschen im eigenen Land gegen Japan im Viertelfinale verlieren.

Silvia Neid dachte, sie sei Nathan der Weise. War sie aber nicht. Sie war nicht einmal Ursula von der Leyen. Kein soziales, kein taktisches Gespür. Neid stand vor ihrer Auswechselbank blind wie König Lear von Shakespeare. Als Jogi Löw das WM-Halbfinale gegen Spanien vercoachte, war es Angst. Diesmal war es Neid. Neid auf wahre Prinzen. Und schwarzgelockte Prinzessinnen.

Ich bin ab sofort Solo-Fan! Die Torhüterin der USA. Marta, die Brasilianerin, ist die wahre Könnerin dieser WM, aber sie ist eine kalte Könnerin. Solo aber hat das warme Herz einer elfmetertötenden Löwin (Okay, der Kolumnist dreht gerade ab, aber Solo ist doch hinreißend?!). Ich sage ungern, dass die USA ungerecht behandelt wurden, aber gegen Brasilien war es so. Deshalb war es nur gerecht, dass sie wie durch ein Wunder doch siegten. Jetzt spielt Solo gegen Frankreich!

Klaus, ein Freund von mir, hat gesagt, dass die Männer eigentlich Frauen sind. Also beim Männerfußball seien die Männer wie Frauen. Fallen ständig hin, gaukeln Schmerzen vor, meckern die ganze Zeit. Deshalb guckt der Freund lieber Frauenfußball, weil beim Männerfußball eben nur Frauen spielen. Ich fand diese Begründung verblüffend.

An dieser Stelle wechseln sich der Schriftsteller Moritz Rinke, DFB-Jugendtrainerin Anouschka Bernhard, der langjährige Bundestrainer Gero Bisanz und Turbine Potsdams Coach Bernd Schröder ab.

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