WM Nebenschauplatz : WM Nebenschauplatz

Katerstimmung im Youth Center Bafokeng. Obwohl die Kids seit Wochen Lieder und Tänze zur WM („Ayoba 2010“) eingeübt haben, die Vorfreude auf das Turnier durch die Berichterstattung fast ins Unermessliche gesteigert wurde, hat die Bafana Bafana die Hoffnungen der Jugendlichen von Luka nicht erfüllt. Nur noch eine Handvoll hartgesottener Fußballfans verfolgt auf harten Holzstühlen das Nachmittagsspiel zwischen Nigeria und Griechenland.

Nigeria ist der große Rivale Südafrikas, weil es auf eine erfolgreichere Fußballvergangenheit zurückblicken kann. Entsprechend emotionslos verfolgen die Kids das Spiel. Viele kicken auf dem Bolzplatz hinterm Haus lieber wieder selbst.

Die Mädchen tanzen vorne zum Sound, der aus den Boxen schallt. Früher war Luka einmal ein Township. Nun darf es sich offiziell Dorf nennen, denn die Gegend rund um die WM-Stadt Rustenburg prosperiert. Viele Arbeiter leben hier noch in Shacks, den Blechhütten, die man hier so häufig sieht, doch die Zahl der Steinhäuser in Luka hat zugenommen. 18 Platinminen in der Region bedeuten Arbeitsplätze, was zu einem ständigen Zuzug führt.

Auch Lesidi Lenkwe hat sich lange auf die WM gefreut. Er stammt aus Soweto, dem großen Township in Johannesburg. 1995 hat er dort erlebt, wie tagelang Schwarze und Weiße leidenschaftlich miteinander feierten. Auslöser der landesweiten Ekstase war damals der Sieg des südafrikanischen Rugby-Teams, der „Springboks“, bei der WM im eigenen Land. Ein Erweckungserlebnis für ein neues Südafrika nach dem Ende der Apartheid. Dass die Fußball-Weltmeisterschaft dieses Kollektivgefühl zumindest sportlich nicht wiederholen würde, war ihm klar.

„Die Bafana Bafana ist noch nicht so weit, dass sie mit großen Teams mithalten kann“, sagt Lenkwe. Dennoch ist er ein bisschen traurig, dass die WM auch sonst nichts in Luka verändert hat. Während im zehn Kilometer entfernten Rustenburg die Baumaßnahmen im Vorfeld der Weltmeisterschaft zu einer neuen Hauptstraße und etlichen Verschönerungen geführt haben, wurde hier lediglich ein riesiges Schlagloch in der Ortsdurchfahrt geschlossen.

Für den 22-jährigen Lenkwe sind deshalb die Alltäglichkeiten viel wichtiger als das Turnier. Er arbeitet als Groundbreaker für die Initiative „LoveLife“ des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED). Groundbreaking heißt, dass er Jugendliche für das Thema Aids-Prävention sensibilisiert, mit ihnen über Sexualität und Verhütung spricht. In Südafrika ist jede dritte Frau und jeder zehnte Mann zwischen 25 und 30 HIV-positiv.

Lesidi Lenkwe möchte mithelfen, dass den Jungs, die auf dem Bolzplatz kicken, dieses Schicksal erspart bleibt. Wie alle hier im Youth Center kennt er im Bekanntenkreis etliche, die den Virus in sich tragen.

Ob Südafrika das Achtelfinale erreicht, ist für ihn deshalb ziemlich egal. „Es ist auch ein gutes Gefühl, dass wir euch zeigen können, wie gut wir eine WM ausrichten, oder?“Tim Jürgens

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