WM Nebenschauplatz : WM Nebenschauplatz

Ohne Fußball wär’ hier gar nichts los. Bei der Fashion Week in Berlin wurde Sekt zur WM serviert. Foto: ddp
Ohne Fußball wär’ hier gar nichts los. Bei der Fashion Week in Berlin wurde Sekt zur WM serviert. Foto: ddpFoto: SCHROEWIG/Eva Oertwig

Spätestens seit Oliver Kahn mit Gucci-Kulturbeutel aus der Kabine trat, David Beckham zur Anziehpuppe seiner Frau mutierte und David James für Armani posierte, ist klar, dass Fußballer nicht mehr den Jogging-, sondern den Maßanzug bevorzugen. Ihre Leidenschaft für Mode ist entfacht und die Branche jubelt – sind doch sportliche Fashion-Victims beste PR für ihre Marken. Doch nicht nur um den Marktwert ihrer potenziellen Models zu überprüfen, schauten Designer, Label-Vertreter und prominente Gäste während der Modewoche in Berlin bei den letzten WM-Spielen gebannt zu. Schließlich bekommen sie hier all das zu sehen, was in ihrer Branche verpönt ist: Schweiß, Dreck und grüne Rasenflecken auf weißen Hosen.

Schon vorab hatten die Veranstalter der Berliner Events angekündigt, die Halbfinalspiele zu übertragen – zu groß wäre sonst die Gefahr gewesen, dass sich die Models alleine die Beine in den flachen Bauch stehen müssen.

Und so bejubelte gleich ein ganzer Oranje-Block bei der Eröffnung der Bread&Butter am Dienstag auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof das Spiel der Niederländer gegen Uruguay. Da waren auch noch Messechef Karl-Heinz Müller und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) voller Hoffnung auf ein Endspiel Deutschlands gegen die Niederlande und verteilten Trikots der beiden Teams. Hollywoodstar Diane Kruger hatte sich selber eins besorgt. Sie gehörte am Mittwoch mit zu den VIPs bei der Schau des US-Labels Calvin Klein in der Münze.

Dass die Gäste sich mehr für das Spiel der deutschen Mannschaft gegen Spanien als für die teilweise nur mit Unterwäsche bekleideten, teilweise sogar komplett nackten Models interessierten, hat die angereisten Amerikaner überrascht. Erst auf Drängen ihrer deutschen Kommunikationsagentur hatten sie zwei Flachbildschirme im Innenhof der ehemaligen Prägeanstalt in Mitte aufbauen lassen. Und tatsächlich: Da konnten sich die Models auf den Installationen des Architekten Jürgen Mayer H. noch so sehr in Pose schmeißen, der Kampf von Schweinsteiger & Lahm um das Finale und die Kapitänsbinde zog mehr Besucher in den Bann.

Obwohl sie Werbegesicht für Calvin Klein ist und von dem Unternehmen für ihren Auftritt extra ausgestattet wurde, zog sich die in Deutschland geborene Diane Kruger das Trikot übers weiße Designerkleid und drückte die Daumen. Der Schmerz über die Niederlage war anschließend selbst mit Champagner kaum zu lindern. Auch bei der „Vogue“-Party im Borchardt war das verlorene Spiel bis weit nach Mitternacht noch Thema. Selbst am Donnerstag jammerte Schauspieler Til Schweiger noch bei der Show von Hugo Boss: „Ach, hätte der Kroos ihn doch bloß reingemacht.“

Währenddessen beschäftigte sich Christiano Ronaldo, mit Portugal bereits im Achtelfinale ausgeschieden und bekennendes Fashion-Victim, schon längst wieder mit wirklich wichtigen Dingen – und lackierte sich die Fußnägel. Sonja Pohlmann

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