WM-Planung : Flitzen wird teuer

Die Vorbereitungen der Bundesregierung und des WM- Organisationskomitees auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 befinden sich laut Innenminister Otto Schily (SPD) "voll im Plan".

Berlin (10.08.2005, 14:31 Uhr) - Im 5. Bericht an das Kabinett bewertete Schily am Mittwoch in Berlin den Confederations Cup in der Organisation und im Sicherheitsbereich als «erfolgreichen Testlauf für die WM». In einigen Stadien und bei den geplanten WM-Party-Meilen müsse aber «noch genauer hingesehen werden». Einzelheiten nannte Schily nicht. Das Kabinett stimmte dem Schily-Report uneingeschränkt zu.

Der Bundesinnenminister verwies auf die Frage nach möglichen Sicherheitsproblemen bei den teilweise schwer zu schützenden öffentlichen Standorten für Live-Übertragungen auf Großbildleinwände auf die Zuständigkeit der Länder. «Es liegt in der Verantwortung der Länder, diese Bereiche besonders zu schützen, damit da nichts Schlimmes passiert», sagte er. Die Stadien werden zur WM «die wahrscheinlich am besten und sichersten geschützten Orte in Deutschland sein», versicherte Schily. Aber auch hier müssten Nachbesserungen genau geprüft werden. Einzelheiten wollte Schily nicht ausführen. «Ich will ja niemandem Tipps geben», sagte er.

Insgesamt sei der Sicherheitsstandard beim Confederations Cup aber sehr hoch gewesen. Die so genannten Flitzer, die teils mit nacktem Oberkörper auf das Spielfeld rannten, hätten eher «sekundäre Bedeutung». In dem Bericht wird angekündigt, dass solche Flitzer künftig mit hohen Geldbußen zu rechnen haben. Auch generelle Stadionverbote in ganz Deutschland würden überprüft.

Die wirtschaftlichen Perspektiven schildert Schily in dem Bericht als äußerst positiv. Nach einer Studie der Ruhruniversität Bochum ist mit einem Plus des Bruttoinlandsproduktes um etwa 8 Milliarden Euro zu rechnen. Die Tourismusbranche erhofft sich 4,8 bis 5,5 Millionen zusätzliche Übernachtungen. Der Verkauf von Fan-Artikeln könnte um eine Milliarde Euro angekurbelt werden. Die Bundesagentur für Arbeit schätzt, dass kurzfristig durch die WM 50 000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen.

Als «fulminanten Erfolg» in der WM-Vorbereitung bezeichnete Schily den durch die deutschen Spielorte tourenden WM-Globus. In Nürnberg war in dieser Woche der 500 000. Besucher begrüßt worden. Kurz vor der WM kehrt der Globus zu seinem Ausgangspunkt nach Berlin vor das Brandenburger Tor zurück. Schily äußerte an den Senat «die herzliche Bitte», für eine ansehnliche Präsentation zu sorgen: «Eine Baustelle vor dem Adlon wäre nicht so günstig».

Zur Zeit wird in diesem Bereich umfangreich gebaut, u.a. für die so genannte Kanzler- U-Bahn zwischen Brandenburger Tor und dem neuen Hauptbahnhof. Eine Mini-Ausgabe des Globus geht vom 3. Oktober dieses Jahres an auf Welt-Tournee. Der Start ist in Tokio, kurz vor der WM endet dieses Projekt in Mailand. (tso)

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