WM PORTRÄT Ghanas Prince Tagoe : Eine Diagnose ins Herz

„Gib nicht auf! Du wirst wieder spielen. Du wirst bei der WM für Ghana Tore schießen.“ Das haben sie Prince Tagoe immer wieder gesagt im vergangenen Herbst. Was damals noch Zweckoptimismus war, ist Realität geworden. Damals war ungewiss, ob Tagoe überhaupt wieder würde Fußball spielen können. Bei ihm wurde eine Erkrankung des Herzmuskels diagnostiziert, die Sportuntauglichkeit stand im Raum. Nun hat er beide WM-Spiele für Ghana von Beginn an bestritten – mit überzeugender Leistung.

Er wird spielen, am Mittwoch gegen Deutschland. Gegen jenes Land, in dem er seine große sportliche Zukunft sah, doch in dem von einem Moment auf den anderen seine Karriere in Gefahr geriet. Im Juni 2009 sicherte sich die TSG Hoffenheim die Dienste von Tagoe. Ein Talent, unterfordert bei seinem Klub Al Ettifaq in Saudi-Arabien, 22 Jahre alt, ghanaischer Nationalspieler, mit Angeboten aus Valencia und von Inter Mailand. Doch bei einer Untersuchung im Juli stellten die Ärzte im Heidelberger Uniklinikum einen Herzfehler bei Prince Tagoe fest. Bis heute ist nicht geklärt, ob es sich um eine temporäre Herzmuskelerkrankung handelte oder um eine Fehldiagnose.

Die behandelnden Ärzte sind noch nicht von der Schweigepflicht entbunden, mehrere von Prince Tagoe und seinen Beratern eingeholte Gegengutachten widerlegten die erste Diagnose. Erst eine abschließende Beurteilung des von der Deutschen Fußball-Liga eingesetzten Kardiologen Dr. Michael Böhm brachte die endgültige Gewissheit: Tagoe war gesund und durfte wieder spielen. Doch das Ganze geschah im Januar, sechs Monate lebte Tagoe in Ungewissheit.

Die TSG kündigte ihm zuerst, nahm die Kündigung später zurück. Gegen einen Fußball trat Tagoe in dieser Zeit nicht, sondern absolvierte individuelles Ausdauertraining. Er sah in dieser Zeit mehr Ärzte und Anwälte als Mitspieler und Freunde.

„Manchmal hatte ich Gefühle der Wut. Ich wusste, dass ich gesund war und die Ärzte einen Fehler gemacht haben“, sagte Tagoe. Nach der Rückkehr zur alten Fitness blühte er dann wieder auf. Am letzten Bundesligaspieltag schoss er Hoffenheim mit zwei Toren zum Sieg. Bei der WM scheiterte er gegen Australien noch, gegen Deutschland soll nun ein Tor her. Dann wäre auch der letzte Teil der Vorhersage aus dem vergangenen Herbst erfüllt. Alex Raack/Ron Ulrich

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