WM Porträt : SERBIEN Trainer: Radomir Antic Der Spielmacher Wolfgang Stark pfeift

England gegen Slowenien

Tim Jürgens
„Da muss der Ball hin.“ Der deutsche WM-Schiedsrichter Wolfgang Stark hat etwas entdeckt. Foto: dpa
„Da muss der Ball hin.“ Der deutsche WM-Schiedsrichter Wolfgang Stark hat etwas entdeckt. Foto: dpaFoto: dpa

TOR

1 Vladimir Stojkovic

ABWEHR

6 Branislav Ivanovic

5 Nemanja Vidic

20 Neven Subotic

3 Aleksandar Kolarov

MITTELFELD

10 Dejan Stankovic

4 Gojko Kacar

22 Zdravko Kuzmanovic

17 Milos Krasic

14 Milan Jovanovic

ANGRIFF

15 Nikola Zigic

Um die Vereinbarung, die er mit seinem Chef in der Sparkasse Landshut getroffen hat, würde Wolfgang Stark jeder Arbeitnehmer beneiden. Zwei Tage nach seiner Rückkehr nach Deutschland muss er wieder zum Dienst erscheinen. Und wenn er das Finale pfeift? „Tja, dann wäre ich wohl erst wieder am 14. Juli im Büro“, sagt der 40-jährige Niederbayer.

Nach einer tadellosen Leistung im Spiel Argentinien gegen Nigeria hat sich Stark in den Fokus der Schiedsrichterkommission manövriert. Er könnte sogar ein Kandidat für das Endspiel sein. Beim Training auf dem Sportplatz der Odendaal High School im Stadtteil Mamelodi in Pretoria strotzt er vor Selbstbewusstsein. Sportstudenten simulieren Wettkampfsituationen: fallen hin, bilden Rudel, grätschen von hinten. Aus den Boxen kreischt dazu der Sound abertausender Vuvuzelas. Mit scharfem Auge und straffer Körperspannung löst Stark alle Aufgaben mit Bravour. Der Fifa-Beobachter klatscht Szenenapplaus. Nach der Übung kommt ein junger Kicker auf den Deutschen zu und zeigt im Spaß eine Rote Karte. Wolfgang Stark bleibt vor ihm stehen, fasst ihn freundlich an der Schulter, lächelt, herzt ihn.

Es sind die zwei Gesichter von Deutschlands bestem Schiedsrichter: auf dem Feld der unnahbare Referee, privat der volksnahe Bayer. Die Worte kullern aus seinem Mund wie Kieselsteine. Jeder Satz wird abgeschliffen, bis er keine Kanten mehr hat. Die Fifa hat den Schiedsrichtern einen Maulkorb verpasst, über Situationen aus dem Turnier dürfen sie grundsätzlich nicht sprechen. Nicht einmal über die eigenen Entscheidungen. Und doch offenbart Stark – trotz der Standardantwort: „Dazu kann ich nichts sagen“ – immer wieder den subtilen Humor des Landshuters. Die deutsche Mannschaft sei in der Einöde gelandet, wo kein Mensch auf die Idee komme, für eine Party über die Hotelmauer zu klettern. „Ich muss sagen, bei uns im Schiedsrichterquartier ist das ähnlich.“

Er hat bis zur A-Jugend in der Bayernliga gespielt – im offensiven Mittelfeld, als Regisseur. Auch als Schiri kann Stark ein Spiel lesen, er hat fußballerische Qualitäten, die über das normale Maß eines Bundesligareferees hinausgehen. Er steht fast immer richtig, manchmal übertrieben richtig: So erzählt er, dass er sich mitunter frage, warum ein Spieler beispielsweise nach links spiele, wenn doch rechts alles frei sei. Heute leitet Wolfgang Stark das Match England gegen Slowenien. Die Boulevardzeitung „The Mirror“ plärrte: „Deutscher Krawall-Ref pfeift.“ Und „The Sun“ regte sich künstlich auf: „Englands Zukunft in deutschen Händen.“ Dort ist sie gut aufgehoben. Denn Stark, der Spielmacher unter den Schiris, kann eine Partie ebenso gut lesen wie die englischen Mittelfeldstars. Und die Sparkasse Landshut steht auch hinter ihm. Tim Jürgens

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