Update

WM-Qualifikation : 0:3 - Argentinien geht in Brasilien unter

Mit einem überragenden Neymar hat Brasilien Argentinien deklassiert. Lionel Messi droht die WM 2018 zu verpassen.

Gefallen. Argentiniens Superstar Lionel Messi (r.) mit Fernadinho.
Gefallen. Argentiniens Superstar Lionel Messi (r.) mit Fernadinho.Foto: dpa/Bizerra

Lionel Messi schlich fassungslos vom Platz. Als sich Brasiliens Superstar Neymar und seine Teamkollegen von den Fans feiern ließen, war der Weltfußballer schon längst im Kabinengang verschwunden. Nach dem deutlichen 0:3 (0:2) in der WM-Qualifikation gegen die Seleção hat sich Argentiniens sportliche Misere zu einer nationalen Krise ausgeweitet. „Russisches Roulette“, titelte die argentinische Zeitung „Olé“. „Argentinische Katastrophe in Belo Horizonte. Nicht mal Messi kann uns retten.“ Dabei schwang die Angst vor dem Undenkbaren mit: eine Weltmeisterschaft ohne den zweimaligen Weltmeister.
Und die Zahlen belegen die Sorgen. Die Albiceleste rutschte durch die Niederlage mit weiterhin 16 Punkten auf den sechsten Platz der Südamerika-Tabelle ab. Nur die ersten vier Teams qualifizieren sich direkt für die WM in Russland. Der Fünfte, derzeit Chile mit 17 Punkten, kann sich über einen interkontinentalen Play-off-Vergleich qualifizieren. Am kommenden Dienstag trifft Argentinien zu Hause in San Juan auf den Tabellendritten Kolumbien (18) und braucht einen Sieg. Oder, wie es Messi direkt nach dem 0:3 formulierte: „Wir müssen diese Scheißsituation ändern.“
Dabei hatten die Argentinier schon die Station Belo Horizonte zum Wendepunkt in der bisher enttäuschenden WM-Qualifikation auserkoren – euphorisiert von der herbeigesehnten Rückkehr ihres Heilsbringers Messi. Nach seiner Verletzungspause stand der 29-Jährige rechtzeitig zum Duell mit dem Erzrivalen wieder im Team. Doch der Messi-Effekt verpuffte, weil Neymar und Brasilien phasenweise brillierten. Zu Beginn hatten die Gäste sogar noch die besseren Chancen, mitten in die Drangperiode fiel jedoch das Führungstor des fünfmaligen Weltmeisters. „Das Tor hat uns schwer getroffen, bis dahin haben wir es eigentlich gut gemacht“, meinte Lucas Biglia von Lazio Rom. „Ich bin traurig, sauer und besorgt.“
Mit einem sehenswerten Schuss in den rechten Winkel traf Liverpools Philippe Coutinho in der 25. Minute zur Führung, Neymars 2:0 in der 45. Minute nach Vorlage von Gabriel Jesus bedeutete schon die Vorentscheidung. Als Paulinho in der 58. Minute nach einer Konfusion in der Abwehr Argentiniens das 3:0 schoss, gab es für Tite kein Halten mehr. Brasiliens Trainer spurtete zur Jubeltraube an der Eckfahne und stach mit seinem weißen Hemd aus dem gelben Knäuel heraus. „Ich bin wirklich glücklich“, sagte er im Anschluss. „So einen großen Sieg hätte ich nicht erwartet.“

Tite hat aus einem verunsicherten Team einen ernsthaften WM-Titelkandidaten geformt

Dabei hat Tite großen Anteil am großen Erfolg der Brasilianer. Nach einer unglücklichen zweiten Amtszeit von Carlos Dunga hatte er das sportlich kriselnde Team im Juli übernommen. In Europa war der Trainer zuvor weitgehend unbekannt. einen Namen hatte er sich lediglich als Vereinscoach in seiner Heimat gemacht. Mit Corinthians São Paulo war er unter anderem Meister und Klub-Weltmeister geworden. Das Nationalteam führte der 55-Jährige nach seinem Amtsantritt im Sommer mit fünf Siegen in fünf Spielen vom sechsten auf den ersten Platz der Qualifikation.
Für die Gastgeber war der Triumph gegen den ungeliebten Nachbarn Argentinien auch auf einer weiteren Ebene von höchster symbolischer Bedeutung. Eben weil er sich in Belo Horizonte ereignete, dem Ort der 1:7-Schmach im WM-Halbfinale gegen Deutschland. „Das ist ein besonderer Moment nach allem, was hier mit der Selecão passiert ist“, sagte Verteidiger Thiago Silva stolz. Knapp zweieinhalb Jahre nach dem nationalen Fußballtrauertag ist Brasilien wieder obenauf. Als Tabellenführer mit nun 24 Punkten ist die Nationalmannschaft fast schon sicher für die WM qualifiziert. Mehr noch: Tite hat aus einem verunsicherten Team einen ernsthaften WM-Titelkandidaten geformt. Und so einem ganzen Land den Stolz zurückgegeben. dpa/Tsp

1 Kommentar

Neuester Kommentar