• WM-Qualifikation: Blasmusik und andere Töne - England bereitet sich auf das Deutschland-Spiel vor - auch jenseits des Rasens

Sport : WM-Qualifikation: Blasmusik und andere Töne - England bereitet sich auf das Deutschland-Spiel vor - auch jenseits des Rasens

Stefan Hermanns

Die höchst sensiblen deutsch-englischen Beziehungen sind in dieser Woche wieder einmal einer ernsten Probe unterzogen worden. "Ob klein, ob groß, ob fett, ob dünn oder hässlich - wir schlagen Euch", hieß es in der britischen Zeitung "Daily Express". Gemeint waren Deutschlands Fußballer, die heute in München gegen England zum WM-Qualifikationsspiel antreten. "Erstickt an eurer Blasmusik", titelte die "Sun", die die Unterbringung der Engländer in einem Hotel nahe des Hofbräuhauses als perfides Manöver der Deutschen enthüllt hatte.

Die Engländer allein hätten die Buchung zu verantworten, hieß es dazu vom Deutschen Fußball-Bund. DFB-Sprecher Harald Stenger gab zu, "dass wir selbst etwas über diese Entscheidung überrascht waren". Gestern früh schlug die "Sun" zurück. Das Boulevardblatt ließ einen Bus vor dem deutschen Mannschaftsquartier vorfahren. Ihm entstiegen leicht bekleidete Damen, die sich an lauter Musik mit Blasmusikinstrumenten versuchten.

Solche Beispiele zeigen, dass ein Fußballspiel zwischen Deutschen und Engländern alles andere als eine normale Angelegenheit ist. David Beckham, der Kapitän des englischen Teams, spricht von einem "big game", einem bedeutenden Spiel. Eine Frage der Ehre ist es sowieso. Doch diesmal geht es um mehr. Wenn Deutschland gewinnt, können sich die Engländer nicht mehr direkt für die WM 2002 qualifizieren, sie müssten erst noch im November zwei Entscheidungsspiele überstehen. "Wir sind hier rübergekommen, um zu gewinnen", sagt Beckham in München. Alles andere hilft ihnen auch nicht weiter. Beckham plagt eine Leistenzerrung. "Notfalls lasse ich mit fitspritzen", sagt er. Seine Beweggründe? "Man will die großen Spiele spielen, und es geht nicht größer als dieses."

Aber mit den Deutschen gibt es eben auch noch ein paar Rechnungen zu begleichen. Die letzte wurde am 7. Oktober des vorigen Jahres ausgestellt, als die Mannschaft von Rudi Völler den Engländern die Abschiedsparty vom altem Wembleystadion vermiest hat. 1:0 siegten die Deutschen, und Beckham hat keine guten Erinnerungen an diesen Abend. "So wie wir uns damals gefühlt haben, so sollen sich die Deutschen am Samstag nach dem Spiel fühlen", sagt er. Dass dies schwer wird, weiß bei den Engländern wohl jeder. "Die Deutschen sind Meister darin, das zu erreichen, was sie wollen", sagt Beckham.

Auch Owen Hargreaves glaubt, dass die Deutschen "als Mannschaft eine der besten" sind. Für Hargreaves ist die Begegnung schon deswegen interessant, weil das Auswärtsspiel für ihn ein Heimspiel ist. "Ein bisschen ironisch" findet dies der Mittelfeldspieler von Bayern München, der erst vor zwei Wochen im englischen Team debütierte. Allerdings wird er im Olympiastadion wohl nicht in der Anfangself stehen. "Ich würde mir keine Gedanken machen, wenn ich nicht spiele", sagt der 20 Jahre alte Hargreaves. "Ich bin einer der Jüngsten im Team."

In der aktuellen englischen Mannschaft heißt dies schon einiges. Michael Owen ist auch erst 21, Emile Heskey 23, und der in Deutschland noch weitgehend unbekannte Steven Gerrard ebenfalls 21. Die drei sind ihrem jugendlichen Alter zum Trotz sowohl beim FC Liverpool als auch in der Nationalelf entscheidende Figuren. Die entscheidenden vielleicht neben Beckham, der in Deutschland mit 26 Jahren auch noch als junger Spieler durchgehen würde. "Das ist Normalität in England", sagt Hargreaves. Auch in Deutschland gebe es sehr viele gute junge Spieler, "aber die haben es nicht so leicht". Michael Skibbe, der Assistent von Rudi Völler, sieht es etwas anders. Er glaubt, dass bei den Engländern "die Qualität der älteren Spieler nicht ausreicht, um gegen Deutschland zu spielen". So etwas hören die Engländer vermutlich nicht gern. Aber es gehört zum Vorgeplänkel einer solchen Begegnung.

David Beckham konnte gestern erstmals ohne Probleme wieder an einem Trainingsspiel teilnehmen. Sollte der Abschluss-Test dennoch fehlschlagen, träfe ihn der Verzicht ziemlich hart. "Das wäre schwer für mich", sagt er, "ich würde auch spielen, wenn ich nur zu 95 Prozent fit bin. Der Trainer mag vielleicht anderer Ansicht sein."

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