Sport : WM-Qualifikation: Noch mal davongekommen

Stefan Hermanns

Die Finnen sind ein furchtloses Volk. Noch nie haben die Fußballer ihres Landes an einer Welt- oder Europameisterschaft teilnehmen dürfen. Dennoch treibt sie das nicht unbedingt zu übermäßiger Bescheidenheit oder gar Ehrfurcht, wenn der dreifache Welt- und Europameister aus Deutschland zu Wettkampfzwecken zu Besuch kommt. Vor dem WM-Qualifikationsspiel gestern Abend im Olympiastadion von Helsinki hatten sich einige finnische Fans ihre ganz persönliche Prognose für den Ausgang des Spiels auf T-Shirts drucken lassen: FIN - GER 6:0. Zwischendurch sah es so aus, als könnte sich diese Vorhersage erfüllen. Doch nach einem 0:2-Rückstand zur Halbzeit schafften die Deutschen am Ende zumindest noch ein 2:2. Nach vier Siegen in den ersten vier WM-Qualifikationsspielen gab die Mannschaft von Teamchef Rudi Völler auf dem angepeilten Weg zur nächsten Weltmeisterschaft zum ersten Mal zwei Punkte ab.

Doch das Unentschieden war für die Deutschen eher ein Sieg als für die Finnen. Nachdem sie fast bis Mitte der zweiten Halbzeit wie der sichere Verlierer ausgesehen hatten, gaben die Deutschen dem Spiel innerhalb von vier Minuten noch eine überraschende Wende. Erst traf Michael Ballack per Foulelfmeter zum 1:2, dann erzielte Carsten Jancker mit einem Weitschuss den Ausgleich. Für den Münchner war es das erste Tor in der Nationalmannschaft seit fast einem Jahr.

Im Olympiastadion von Helsinki hatte es vielversprechend für die Elf von Rudi Völler angefangen. Gerald Asamoah traf nach lediglich fünf Minuten den Pfosten des finnischen Tores. Die deutsche Mannschaft erspielte sich in der ersten Halbzeit einige Chancen, scheiterte aber immer wieder am ausgezeichneten Torwart Antti Niemi. Glück hatten die Finnen allerdings, als der schwache holländische Schiedsrichter Dick Jol den Gästen aus Deutschland in der zehnten Minute einen klaren Elfmeter versagte. Oliver Neuville war nach einem feinen Zuspiel Lars Rickens im finnischen Strafraum von den Beinen geholt worden. Warum der Pfiff des Schiedsrichters, der das Champions-League-Finale der Bayern geleitet hatte, nicht erfolgte, blieb sein Geheimnis.

Die Fehlentscheidung wäre nicht weiter ins Gewicht gefallen, wenn die Deutschen im Anschluss eine ihrer hervorragenden Möglichkeiten genutzt hätten. Vor allem Asamoah bereitete der finnischen Abwehr reichlich Probleme. Obwohl der Schalker Jungnationalspieler in seinem zweiten Länderspiel ohne Torerfolg blieb, spielte er auf der rechten Außenposition noch stärker als bei seinem Debüt vier Tage zuvor, in dem er gleich einen Treffer erzielt hatte. Die restlichen Stürmer - Jancker und Oliver Neuville - spielten lange so, als sei der deutsche Angriff verflucht. Verflucht dazu, das Tor nicht zu treffen. Neuvilles letzter Treffer datiert aus dem Jahr 1999.

Ähnlich erfolgreich sah die Statistik bis zum gestrigen Abend auch für Mikael Forssell aus. Der erst 20 Jahre alte Stürmer des englischen Premier-League-Klubs FC Chelsea hatte in zwölf Länderspielen erst einmal getroffen - und das gegen Luxemburg. Doch Forssell ist noch jung, und in den meisten Partien war er nur eingewechselt worden. Gegen die vermeintliche Fußballgroßmacht Deutschland zeigte er jetzt, dass er ein Mann mit Zukunft sein könnte. Forssell erzielte in nur einer Halbzeit zwei Treffer gegen Oliver Kahn und spielte die angeblich so sichere Abwehr der Deutschen geradezu schwindlig.

Vor allem Jens Nowotny zeichnete sich durch Stümperei im fortgeschrittenen Stadium aus. Beim 0:1 hatte der Leverkusener auf Abseits spekuliert, beim 0:2 ließ er Forssell unbehelligt am langen Pfosten stehen. Nowotny hatte Glück, dass ein weiterer seiner vielen Stellungsfehler ohne Folgen blieb: In der 53. Minute wehrte Forssell am Fünfmeterraum unfreiwillig einen Schuss seines Kollegen Joonas Kolka ab, der vermutlich zum 3:0 geführt hätte. Diesen Rückstand hätten dann wohl nicht einmal mehr die furchtlosen Deutschen aufgeholt. Kommentierte Völler: "Wir haben riesige Moral gezeigt und letztlich verdient 2:2 gespielt."

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