WM-Qualifikation : Schmankerl für Masochisten

Österreich schämt sich nach dem 1:1 gegen die Faröer. Nationaltrainer Karel Brückner ist fassungslos.

Josef Metzger[Wien]

Natürlich, die „Krone“ brachte es wieder auf den Punkt, wer sonst? Die „Kronen-Zeitung“ ist der größte Lautsprecher Österreichs, das auflagenstärkste Boulevardblatt des Landes, und die „Krone“ verkündete gestern zentimetergroß: „Jetzt lacht wieder die ganze Fußballwelt über uns!“ So ist das, wenn man gegen die Färöer nur 1:1 spielt. Das ist die Strafe, wenn man in der WM-Qualifikation entschlossen Rache nehmen wollte für jene 0:1-Pleite gegen den Fußballzwerg, für die Österreich schon 1990 mit Häme und Spott hatte büßen müssen. Wie sah sie aus, die grausame Rache? 1:1, so sah es nach 90 Minuten aus. 1:1!

Nationaltrainer Karel Brückner sah, wie sein Team zahllose Chancen herausspielte. Und er sah, wie eine nach der anderen vergeben wurde. Das allein hatte die Fans zu Hause vor dem Fernseher schon auf die Palme gebracht. Aber irgendwann konnten sie nicht mal mehr sehen, wer da versagte, das verstärkte ihren Zorn noch mehr. Denn auf den Mattenscheiben blieb plötzlich alles dunkel. Kein Satellitensignal, keine Live-Übertragung aus Torshavn, nur eine Radio-Übertragung mit einem TV-Reporter. Das Führungstor der Gastgeber konnten die Zwangshörer nicht mal live miterleben: Das 1:0 (47.) fiel während eines Werbeblocks. Wenigstens hörten sie live, dass Martin Stranzl das 1:1 erzielte (49.).

Brückner war fassungslos. Frustriert erklärte er in drolligem Deutsch, „dass ich sehr enttäuscht bin. Waren überlegen, haben zehn Chancen auf Tor gehabt, mehr geht nicht. Und mehr als vier Stürmer auch nicht“. Er hatte die beiden Latten- und Pfostenschüsse seines Teams vergessen und natürlich die beiden Tore, die Österreich noch erzielte. Aber die wurden nicht anerkannt. Abseits. Verbands-Präsident Friedrich Stickler verkündete nach dem Debakel nicht mal mehr seinen Standardspruch: „Österreichs Fußball ist auf einem guten Weg.“ Das zeigt die ganze Schockstarre der Offiziellen. „Zu wenig“, stöhnte Stickler nur.

Dass die gedemütigten Profis wegen einer Panne erst am Sonntag frühmorgens in Wien eintrafen, durften sie als dankbaren Umstand betrachten: Kein Mensch war zum Empfang da. Für die Masochisten unter den Fans hatte der Österreichische Rundfunk aber noch eine nette Geste: Am Sonntag wurde das Spiel als Aufzeichnung ausgestrahlt.

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