• WM Reif: Die Fallhöhe eines wunderschönen Sommers Marcel Reif blickte täglich auf die Spiele voraus – und schaut jetzt zurück

WM Reif : Die Fallhöhe eines wunderschönen Sommers Marcel Reif blickte täglich auf die Spiele voraus – und schaut jetzt zurück

Ach ja, war das schön, damals im Sommer. Lang, lang ist es her, wie viele gefühlte Jahre eigentlich? Nur ein wirkliches Jahr? Es scheint so weit weg zu sein. Dabei ist doch noch so viel zu spüren, was bleiben wird als Wert. Die Präsentation des Landes, seiner Menschen, die fröhliche Stimmung, die bleiben nicht beschränkt auf die paar Wochen im Sommer 2006. Und wir waren die drittbeste Mannschaft der Welt. Zumindest in diesem Turnier, und daran ist auch nichts zu mäkeln. Denn da stand keine Mogelpackung auf dem Platz, alle Spieler, die damals für Klinsmann, Löw und Deutschland flitzten und lachten, haben gehalten, was sie versprachen (auch Miroslav Klose wird das wieder tun).

Es war aber auch bezeichnend, was nachher von eben diesen Spielern zu hören war: Nämlich, dass sie ausgelaugt seien, nicht in den Beinen, sondern im Kopf. Na klar, denn diese WM war ein Ausnahmezustand, kein Alltag, war Rausch. Und wie das nun einmal mit Räuschen so ist, es folgt ihnen der Kater. Und der spielte die Bundesliga, so zerstreut, so fahrig, so orientierungslos, wie man ist am Morgen, wenn der Abend zuvor ein paar Liter zu viel gebracht hatte.

Kann man entschuldigend sagen, dass die Fallhöhe aber auch gewaltig war? Ja, wenn diese Saison nach der WM eben auch ein Ausnahmezustand war, der negative nach dem euphorischen. Wenn in der nächsten Saison nicht nur eine Mannschaft den Mentalitätsumschwung der deutschen Nationalmannschaft auch für sich reklamiert. Der Umschwung? Die Einstellung, dass man Spiele auch angehen kann, im festen Willen, sie auch zu gewinnen. Offensiv, fröhlich, unbelastet, auch wenn von Reife und reif für einen Titel wahrlich nicht die Rede sein konnte. Nicht beim VfB Stuttgart, nicht bei der WM-Elf, und doch ging und geht mit Willen allerhand. Schalke hat diesen Umschwung nicht begriffen, Schalke war weiter urdeutsch und zu oft auf dem Platz, mit dem Bewusstsein, erst mal nicht verlieren zu wollen. Das hat die WM gelehrt, und wenn das auch noch mehr kapieren, hat sie nicht nur bei der positiven Außendarstellung Deutschlands einen kräftigen Nachhall.

Die Nationalelf macht es ja vor, es wird noch Alter und damit Erfahrung dazukommen, ein bisschen Klasse auch, aber sie macht auch so schon weiter, wo sie aufgehört hatte. Damals, im Sommer, ach, war das schön.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben