WM-Tagebuch : Mit einem König auf Tour

Der Berliner 1500-Meter-Läufer Carsten Schlangen übt sich als Fremdenführer auf dem Rad.

Am Donnerstag bin ich mit einem König Fahrrad gefahren. Der König trug einen Trainingsanzug. Er war das Oberhaupt eines kleinen Inselstaates in der Karibik mit 10 000 Einwohnern, aber um ehrlich zu sein, habe ich den Namen seines Reiches leider vergessen. Zur Leichtathletik-WM ist er auch nicht als Sportler gekommen, sondern als Repräsentant seines Landes, ich schätze, er ist um die 30 Jahre alt. Auf jeden Fall war er einer von 25 Teilnehmern meiner Fahrradtour, die ich für WM-Gäste angeboten hatte.

Unsere Leihräder der Deutschen Bahn haben gerade so ausgereicht, wir mussten sogar noch auf zwei, drei Privaträder zurückgreifen. An unserem Mannschaftshotel „Berlin, Berlin“ am Lützowplatz sind wir losgefahren, Australier, Italiener, Briten, Marokkaner, der König und noch ein Malaysier. Der Malaysier wollte gleich an der Siegessäule von mir wissen, warum die Goldelse gerade in diese Richtung schaut. Unsere Tour ging weiter zum Reichstag, Brandenburger Tor, Regierungsviertel, Eisessen am Hackeschen Markt und Mauerpark. In Prenzlauer Berg habe ich noch ein paar Kneipen empfohlen, wo man spätabends noch hingehen kann. Alle waren total erstaunt, wie grün Berlin ist.

Es war eigentlich ganz witzig für mich, den Stadtführer zu spielen und ich habe versucht, ein paar Anekdoten zu erzählen wie die mit dem Kreuz auf der Kugel des Fernsehturms oder einiges über die Mauer, für die Teilung haben sich alle sehr interssiert, gewusst haben sie aber nicht so viel darüber. Am früheren Palast der Republik gab es Dreharbeiten für irgendeine Soap oder sonstwas. Ein australischer Athlet wollte unbedingt, dass wir ihnen mit unseren Rädern durchs Bild fahren. Haben wir dann doch nicht, dafür aber rhythmisch geklatscht wie beim Hochsprung. Hoffentlich haben wir es wenigstens damit noch in die Soap geschafft.

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