WM-Test : Deutsche Frauen besiegen Nordkorea

2:0 gewonnen gegen Nordkorea. Dennoch wartet auf die deutschen Fußballfrauen eine Menge Arbeit auf dem Weg bis zur Weltmeisterschaft im eigenen Land.

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Kim Kulig trifft per Elfmeter zum 1:0 für Deutschland.
Kim Kulig trifft per Elfmeter zum 1:0 für Deutschland.Foto: dpa

Die Informationslage vor dem Anpfiff war äußerst dürftig. Bundestrainerin Silvia Neid hatte zugegeben, die Spielerinnen aus Nordkorea „kaum auseinanderhalten“ zu können. Neids Torhüterin Nadine Angerer äußerte Verständnis für die leichte Verwirrung ihrer Trainerin, schließlich hätten die Gegnerinnen auch „irgendwie alle denselben Friseur“. Die fehlende Personenkenntnis war aber zu verschmerzen. Laut dem Vorbereitungs-Masterplan der deutschen Fußball-Nationalmannschaft der Frauen kam es am Sonnabend in Ingolstadt ohnehin vielmehr darauf an, Informationen über die eigenen Stärken und Schwächen zu sammeln. Am Ende des ersten Tests fünf Wochen vor der Heim-WM stand ein souveräner aber wenig glanzvoller 2:0 (0:0)-Sieg. „Ich habe eine sehr engagierte und leidenschaftliche deutsche Mannschaft gesehen“, sagte Neid. „Insgesamt bin ich total zufrieden, wir sind meiner Meinung nach voll im Plan.“

Seit mehr als zwei Monaten bereiten sich die Frauen des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) auf die WM vor, rund um das Länderspiel vom Sonnabend trainieren sie in Herzogenaurach, im Hauptquartier ihrer Ausrüsterfirma. Im firmeneigenen Adi-Dassler-Stadion wird beim mittlerweile fünften WM-Lehrgang konzentriert gearbeitet, abseits des Feldes bleibt Zeit dafür, die neuen Trikots zu loben und damit den Sponsor glücklich zu machen. Das neue Outfit hatte am Samstag seine Premiere, gegen Nordkorea sahen die 8756 Zuschauer im gut zur Hälfte gefüllten Stadion von Ingolstadt eine konzentrierte – aber auch sichtlich vom Training erschöpfte – deutsche Mannschaft, die nach 57 Minuten durch einen Foulelfmeter von Kim Kulig in Führung ging. Fünf Minuten vor dem Abpfiff erhöhte die eingewechselte Celia Okoyino da Mbabi nach einem geradlinigen Konter auf 2:0. „Wir hatten uns vorgenommen, das Erlernte umzusetzen. Das ist uns ganz gut gelungen“, sagte Kulig.

Beide Torschützinnen dürften wohl kaum zu jenen fünf Nationalspielerinnen gehören, die Neid am kommenden Freitag noch aus ihrem Kader streichen muss. „Das Puzzeln findet ein Ende“, hatte die 47-Jährige schon vor dem Spiel gesagt. Sie überlege allerdings von Tag zu Tag immer wieder neu, wer am Ende im WM-Kader stehe: „Gestern war es die, vorgestern war es die.“ Gegen Nordkorea ließ Neid alle fünf Spielerinnen von Turbine Potsdam – der Deutsche Meister spielt am Donnerstag noch im Finale der Champions League – zunächst auf der Bank, erst nach dem 1:0 wurden Babett Peter und Fatmire Bajramaj eingewechselt.

Auf dem Trainingsplatz hatte Neid zuletzt den Spielaufbau üben lassen. Es gilt, die richtigen Lauf- und Passwege einzustudieren, damit im WM-Turnier alles intuitiv abläuft. Weder im Training noch im Spiel funktionierte das einwandfrei, grob nach vorn geschlagene Pässe und Ballverluste waren die Folge. Neid erklärt die hohe Fehlerquote auch damit, dass ihre Mannschaft müde sei, „nicht nur in den Beinen, sondern vor allen Dingen im Kopf“. Auch die Spielerinnen machen keinen Hehl daraus, wie strapaziös die Vorbereitung ist. „Aber wir haben das Ziel vor Augen und wissen, wofür wir das tun“, sagte Ariane Hingst. Dieses große Ziel ist natürlich der dritte WM-Titel in Folge. Den Nationalspielerinnen ist bisweilen anzumerken, wie befremdlich sie den Rummel finden, der immer größer wird, je näher das Auftaktspiel rückt. Immer wieder kommen die Fragen nach dem Druck, der auf dem Favoriten lastet. „Wir lassen das an uns abprallen und konzentrieren uns aufs Training“, sagt Mittelfeldspielerin Simone Laudehr.

Das Ingolstädter Publikum bejubelte den Sieg im ersten von vier WM-Testspielen ausgiebig, viele Zuschauer hatten die schwarz-rot-goldenen Devotionalien von den Männer-Turnieren der vergangenen Jahre aus dem Schrank geholt. Silvia Neid war mit der Atmosphäre im Stadion zufrieden – bei ihrer Mannschaft hatte sie allerdings noch einige Schwächen ausgemacht. „Man hat gesehen, dass die Ideen nach vorne manchmal gefehlt haben“, sagte die Bundestrainerin. Allerdings stehe genau dieses Thema – das Angriffsspiel – ohnehin ab Montag auf dem Trainingsprogramm. Silvia Neid lächelte zufrieden, es läuft eben alles nach Plan.

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