Sport : WM-Tickets: Fans ärgern sich im Warteraum

Robert Ide

Berlin - Nach zwei Stunden gab Rolf Gerstendorff auf. Der Flugbegleiter hatte von seinem Internetanschluss in Wilmersdorf aus versucht, Eintrittskarten für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zu bestellen. Doch wie Tausende andere Fans blieb er auf www.fifaworldcup.com in einem virtuellen Warteraum hängen – und hoffte vergeblich, zum Bestellformular vorzudringen. Um 14 Uhr loggte sich Gerstendorff aus. „Ich habe gleich einen Zahnarzttermin“, erzählte er, „da muss ich schon wieder in ein Wartezimmer.“

Um 12 Uhr hatten die WM-Organisatoren die Seite freigeschaltet, auf der Karten zur Begleitung einer Mannschaft angeboten wurden. Einzeltickets gab es nicht, wichtige Teams wie Deutschland und Brasilien waren ausverkauft – dennoch versuchten viele, über den Umweg einer Teamserie an Finalkarten zu kommen. Denn Pakete für sieben Spiele von Togo oder Paraguay würden ihre Gültigkeit behalten, falls die Teams ausscheiden. Zunächst aber müssen sie sich für die WM qualifizieren. Tun sie das nicht, erhalten die Besteller ihr Geld zurück – abzüglich einer Bearbeitungsgebühr.

Die Organisatoren äußerten sich positiv zum Start der zweiten Verkaufsphase. „Das Interesse ist groß“, sagte WM-Sprecher Jens Grittner. In den ersten Stunden habe es 100 000 Anfragen gegeben. Am Abend waren fast alle Serien mit Finalkarten vergriffen. Jeder Bewerber durchlief eine Sicherheitsabfrage. Dort war eine Kombination aus fünf verzerrt dargestellten Buchstaben und Zahlen zu sehen, diese musste der Fan eingeben. „Die Kombination kann nur vom menschlichen Auge entschlüsselt werden“, erklärte das Organisationskomitee. „So verhindern wir automatisierte Bestellungen.“ In der ersten Verkaufsphase mussten zwei Millionen automatisch gefälschte Bestellungen aus den USA aussortiert werden. Einzelkarten gibt es erst wieder im Dezember; insgesamt sind nur ein Drittel der 3,4 Millionen Sitzplätze in den WM-Stadien für Fans reserviert.

Wer am Montag Glück hatte, bekam gleich eine Bestätigung für seinen Kauf. Wer Pech hatte, muss auf Verlosungen von Sponsoren hoffen – oder über Alternativen nachdenken. Rolf Gerstendorff will sich um einen Job bei den WM-Organisatoren bewerben. „Als Steward habe ich mehrere Fremdsprachen gelernt“, sagt der 54-Jährige. „Vielleicht kann ich WM-Gäste betreuen und so ins Stadion kommen.“

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