WM-Titel verpasst : Stefan Mücke: "So kurz davor – es ist deprimierend"

Der Berliner Pilot Stefan Mücke verpasst durch einen Motorschaden den Titel in der Langstrecken-WM. Im Tagesspiegel-Interview sagt er, wie es dazu kam.

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Stefan Mücke, 32, ist der Sohn der Berliner Rennfahrerlegende Peter Mücke. Er fuhr lange DTM und ist derzeit für Aston Martin in der Langstrecken-WM unterwegs. Am Samstagabend gab Mückes Auto beim Saisonfinale in Bahrain den Geist auf. Es bleibt nur der Titel Vize-Weltmeister.
Stefan Mücke, 32, ist der Sohn der Berliner Rennfahrerlegende Peter Mücke. Er fuhr lange DTM und ist derzeit für Aston Martin in...Foto: Imago

Herr Mücke, Sie kamen als Führender der Langstrecken-WM WEC zum Saisonfinale nach Bahrain. Doch Sie sind mit einem Motorschaden ausgeschieden, der Titel in der GTE-Pro-Klasse ist weg. Wie gehen Sie mit dieser Enttäuschung um?

Es ist natürlich schon sehr deprimierend, wenn man so kurz davor war. So eine Chance bekommt man nicht allzu oft, in Führung liegend in ein WM-Finale zu gehen. Deswegen ist es natürlich schon sehr bitter. Aber das ist nun einmal Motorsport – es gibt Höhen und Tiefen. Die Tiefen waren heute sicherlich ein bisschen stärker. Es war definitiv nicht unser Tag.

Schon vor dem Motorschaden lief es nicht gerade gut für Sie.

Wir hatten gleich am Anfang ziemliche Probleme mit den Reifen, ziemlich starken Reifenabbau. Wir mussten deshalb sehr früh zum Boxenstopp reinkommen, denn noch eine Runde mehr und wir hätten einen Reifenschaden gehabt. Von daher mussten wir die Strategie ändern. Aber dann konnten wir uns eigentlich wieder ganz gut nach vorne arbeiten.

Wobei es gegen Ihren Hauptkonkurrenten Gianmaria Bruni im Ferrari aber sehr schwer geworden wäre. Der war hier überraschenderweise sehr gut unterwegs und holte am Ende auch den Titel.

Sicher, aber wir haben alles probiert, hatten dann ein fehlerfreies Rennen, das Auto wurde auch immer besser, direkt vor dem Motorschaden lag es richtig gut. Je kühler es in die Nacht hinein wurde, desto besser passte es. Wir haben wirklich probiert, anzugreifen – bis dann eben der Motorschaden kam.

Es war der erste überhaupt in diesem Jahr, allerdings zum ungünstigsten Zeitpunkt.

Ja, für uns war es der erste. An unserem zweiten Auto, mit dem wir ja auf dem besten Weg waren, zumindest wenigstens noch den Marken-WM-Titel für Aston Martin zu gewinnen, ist ja dann knapp eine Stunde vor Schluss wohl noch etwas sehr Ähnliches passiert.

Der Verlust des Titels passt zu einer Saison, in der Sie viel durchmachen mussten. Beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans starb Ihr Teamkollege Allan Simonsen.

Ja, es war auch insgesamt ein Jahr mit Höhen und Tiefen. Gerade Le Mans, der Saisonhöhepunkt, war für uns natürlich in mehrfacher Hinsicht sehr, sehr schwierig. Nicht nur von den Bedingungen und unserem Ergebnis her mit dem dritten Platz, wo wir uns vielleicht doch etwas mehr ausgerechnet hätten, sondern vor allem auch durch den tödlichen Unfall von Allan.

Auch Ihr Titelkampf war ein Auf und Ab.

Nach dem Ausfall in Austin im September, da dachten wir schon, die WM-Chancen sind weg. Dann haben wir uns doch wieder herangekämpft und in Schanghai die Führung übernommen. Wir haben nie aufgegeben und es bis zuletzt probiert. Es war sicher trotz allem ein interessantes und spannendes Jahr, mit ein paar sehr schönen Erfolgen, aber leider Gottes auch ein paar Tiefen.

Wie geht es jetzt weiter für Sie?

Wir schauen jetzt nach vorne, auf die nächste Saison, und werden dann wieder angreifen. Etwas anderes können wir jetzt nicht mehr tun.

Das Gespräch führte Karin Sturm.

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