WM Tore : Klose jagt Ronaldo

Miroslav Klose ist der einzige deutsche Spieler, für den das Spiel gegen Uruguay mehr ist als ein falsches Finale. Sollte Klose fit werden, könnte er mit zwei Treffern Ronaldo als bisherigen WM-Rekordtorschützen ablösen. Ein Blick auf drei seiner bisher 14 WM-Tore.

WM 2002, 2:0 gegen Saudi-Arabien

Der zweite Treffer gegen die hoffnungslos überforderte Abwehr Saudi-Arabiens ist die Blaupause eines typischen Klosetreffers. Michael Ballack flankt von links. Und Klose, der vor acht Jahren noch aussah wie ein 50er-Jahre-Dandy mit Klappmesserkamm in der Hosentasche, fliegt durch die Innenverteidiger, als wären sie ein Paravent aus Esspapier, steht kurz in der Luft und drückt den Ball ins Netz. In Asien erzielt er alle seine fünf Tore mit dem Kopf. Es sind deshalb auch die Sekunden danach, die dieses Tor zu etwas Besonderem machen. Klose hebt noch einmal ab. Dreht sich, den Kopf voran, durch die Luft. Zum ersten Mal zeigt er seinen Salto bei einer WM. Dieser Jubel ist danach weltbekannt. Klose auch. Drei Jahre, nachdem er in der Verbandsliga entdeckt worden ist, steigt er in die Weltklasse auf. Den WM-Pokal und den Goldenen Ball als bester Torschütze des Turniers holt aber ein gewisser Ronaldo.

WM 2006, 1:1 gegen Argentinien

Es sind noch elf Minuten zu spielen, vielleicht ein wenig mehr. Argentinien führt mit 1:0. Der Sommertraum könnte hier zu Ende sein. Auf der Ehrentribüne versucht die Kanzlerin mit dem einzigen Herrn zu koalieren, der bei den Christdemokraten noch über ihr steht. Deutschland erhält einen Einwurf in Strafraumhöhe. Ballack wirft ein, bekommt den Ball aber sofort zurück und flankt auf Tim Borowski, der mit dem Kopf instinktiv in die Mitte verlängert, wo Klose lauert, als hätte er nichts anderes erwartet. Er ist zwei Gedanken und einen Schritt schneller als sein Gegenspieler Juan Pablo Sorin, der nur als ein Haufen nasser Locken auf dem Rasen zurückbleibt. Das Tor ist eine Erlösung. Für die deutsche Mannschaft, die den psychologischen Vorteil des späten Ausgleichs bis ins Elfmeterschießen mitnimmt. Und für Klose, dem lange nachgesagt wurde, er könne nicht gegen die Großen treffen. Er bekreuzigt sich, seine Finger zeigen in den Berliner Himmel. Auf der Tribüne jubelt die Kanzlerin. Ein Land schwenkt seine Fahnen. Zusammen mit Jens Lehmanns gehaltenen Elfmetern wird dieses Tor zum emotionalen Scheitelpunkt des Sommermärchens. Ronaldo scheidet einen Tag später gegen Frankreich aus. Klose wird Torschützenkönig.

WM 2010, 1:0 gegen England

Ein Tor wie eine Zeitreise. Nur wenig sprach ja dafür, dass Klose auch in Südafrika wieder Deutschlands bester Stürmer sein könnte. Bei Bayern nur Ersatz, wirkte er noch im Findungsurlaub auf Sizilien wie ein Fremdkörper. Er schien langsam, nicht nur in den Beinen. Ein Melancholiker in kurzen Hosen. Gegen England aber findet Klose in der 21. Minute endgültig zu sich selbst zurück. Mit einem kaum merklichen Fingerzeig in Richtung Manuel Neuer leitet er seinen Treffer selbst ein. Neuer soll weit und in seine Richtung abschlagen, sagen Kloses Gesten. Er will diesen Ball unbedingt, sagt sein Gesicht. Und Neuer versteht. Sein Abstoß senkt sich erst weit in der englischen Hälfte, springt genau dort auf, wo Klose gewartet hat. Matthew Upson versucht noch, ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen, wird aber wie eine lästige Fliege abgeschüttelt. Klose taumelt, lässt den Ball aber nicht aus den Augen und spitzelt ihn im Fallen am herausstürzenden David James vorbei ins Tor. Der Augenblick zwischen Antritt und Abschluss ist ein aus purem Selbstvertrauen und unbedingtem Willen gegossenes Kunstwerk, mit dem er sich zurück in die Weltelite geschossen hat. Ronaldo liegt irgendwo am Strand. Klose braucht noch zwei Tore. Lucas Vogelsang

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