WM-Trainingslager : Deutschlands zwölfter Mann

"Wir werden eine gute Weltmeisterschaft spielen. Das ist ganz klar." Hat Joachim Löw gesagt. Michael Rosentritt über die Bedeutung des WM-Trainingslagers.

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Im kleinen Kreis hat Joachim Löw in München erzählt, was ihn drückt. Irgendwann müsse seine Mannschaft wieder zurückfinden zu einem mutigen, offensiven Spielstil. Dieser hatte die Deutschen vor vier Jahren bis ins WM-Halbfinale getragen. Das war damals schon deshalb ein riesiger Erfolg, weil derselben Mannschaft wenige Monate zuvor grundsätzlich die Turniertauglichkeit abgesprochen worden war. 1:4 hatte das Team von Jürgen Klinsmann in Italien verloren. Zwischen dem Fiasko von Florenz und dem Sommermärchen lag eine mehrwöchige WM-Vorbereitung, die inzwischen eine fast schon mythische Bedeutung besitzt.

Jetzt hat Deutschland wieder ein Spiel so kurz vor einer WM verloren. Na und, möchte man meinen, wir haben ja noch die Vorbereitung! Nach dem 0:1 gegen Argentinien hat wirklich jeder deutsche Spieler auf eben jene Wochen verwiesen, die der WM vorangestellt sind. Schon der Gedanke daran beruhigt ganz offenbar die Gemüter. Niemand stellt ernsthaft infrage, dass die Deutschen perfekt präpariert in Südafrika an den Start gehen werden.

„Wir werden eine gute Weltmeisterschaft spielen. Das ist ganz klar.“ Hat Löw gesagt. Und nur im ersten Moment klingt es vermessen. Fakt ist, dass die Mannschaft von heute in allen Belangen weiter ist als jene vor vier Jahren. Sie versteht sich in verschiedenen taktischen Systemen, und der Kader, der in Spielern wie Özil, Müller und Kroos enorm an Frische und Schwung gewonnen hat, wirkt ausgewogen und harmonisch.

Und dann gibt es da noch die Einrichtung Trainingslager, Deutschlands zwölfter Mann sozusagen. Diese ganz spezielle Fähigkeit der Deutschen, eine Turniervorbereitung optimal zu nutzen und sich Power und Mut zu holen, wirkt nicht nur nach innen. Auch bei der Konkurrenz kommt die Botschaft an: Mit den Deutschen wird wieder mal zu rechnen sein. Das ist nicht die schlechteste Aussicht.

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