WM-Vergabe nach Katar : Platini weist Korruptionsvorwürfe zurück

Die Diskussionen um die umstrittene Vergabe der Fußball-WM 2022 an Katar reißen nicht ab. Nun gerät Uefa-Präsident Michel Platini in die Kritik. Doch der französische Verbandschef wehrt sich mit markigen Worten.

"Herr Sarkozy hat mich aber nie gebeten, Katar meine Stimme zu geben", sagt Michel Platini.
"Herr Sarkozy hat mich aber nie gebeten, Katar meine Stimme zu geben", sagt Michel Platini.Foto: Reuters

Uefa-Präsident Michel Platini hat die gegen ihn erhobenen Korruptionsvorwürfe hinsichtlich der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 an das Emirat Katar scharf zurückgewiesen. „Zu glauben, dass meine Wahl für Katar 2022 aufgrund von Arrangements zwischen dem französischen Staat und Katar getroffen wurde, ist nichts als reine Spekulation“, erklärte Platini am Dienstag in einer Pressemitteilung. Er drohte dabei, „vor Gericht gegen jede Person vorzugehen, die meine Integrität bei dieser Abstimmung infrage stellt“.

Das seriöse französische Fachmagazin „France Football“ hatte zuvor behauptet, Platini habe auf Drängen des damaligen französischen Staatschefs Nicolas Sarkozy dem Wüstenstaat die Stimme gegeben. Als Gegenleistung sollen die Katarer Investitionen im französischen Fußball zugesichert haben.

Im Mittelpunkt der Anschuldigungen steht ein Abendessen am 23. November 2010 im Élysée-Palast, dem Sitz des französischen Präsidenten in Paris, wenige Tage vor der Vergabe der WM. Der damalige Hausherr Sarkozy soll unter anderem Platini, den Emir von Katar, Scheich Hamad Al Thani, und die damalige Clubführung von Paris Saint-Germain empfangen haben.

Wie „France Football“ in seinem 20-seitigen Untersuchungsdossier schrieb, soll dabei ein regelrechter Tauschhandel stattgefunden haben. Inzwischen haben die Araber PSG gekauft und viele Stars wie Zlatan Ibrahimovic in die französische Hauptstadt geholt. Auch Rechte für die TV-Übertragung der französischen Liga wurden erworben.

Ein Blick nach Katar
"Hier ist es ruhig und sicher" - so werden die Besucher in Katar, dem Nachbarland von Bahrain empfangen. In Nachbarländern toben Kämpfe um mehr Freiheiten für die Menschen. In Katar ist davon nichts zu spüren. Auch die Probleme der Finanzkrise scheinen das Emirat nicht so getroffen zu haben wie etwa Dubai. Wolkenkratzer in den verschiedendsten Formen und Kräne prägen das Bild der City. Und auf fast allen Baustellen wird gearbeitet.
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1 von 18Foto: Ingrid Müller
16.03.2011 15:55"Hier ist es ruhig und sicher" - so werden die Besucher in Katar, dem Nachbarland von Bahrain empfangen. In Nachbarländern toben...

Platini bestreitet im Gespräch mit „France Football“ das Abendessen nicht, ein Abkommen bezüglich der WM 2022 habe es aber nicht gegeben. „Eines Tages wurde ich von Sarkozy eingeladen, und da war auch der Premier von Katar dabei. Herr Sarkozy hat mich aber nie gebeten, Katar meine Stimme zu geben“, wird der Uefa-Boss zitiert. Er habe unabhängig abgestimmt, versicherte Platini. Es sei einfach an der Zeit gewesen, „die WM in diesen Teil der Welt zu bringen“.

WM-Vergabe an Russland und Katar
Katars Emir, Sheikh Hamad bin Khalifa al-Thani (l.) and Russlands Vize-Premierminister Igor Schuwalow mit dem Weltmeisterpokal, von dem sich Fifa-Präsident Joseph Blatter offenbar nicht gern trennt.
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02.12.2010 17:22Katars Emir, Sheikh Hamad bin Khalifa al-Thani (l.) and Russlands Vize-Premierminister Igor Schuwalow mit dem Weltmeisterpokal,...

Es ist nicht das erste Mal, dass die Korrektheit der WM-Vergabe 2022, bei der unter anderem Südkorea, Japan, Australien und die USA den Kürzeren gezogen hatten, angezweifelt wird. Der Außenseiter hatte sich in der entscheidenden Abstimmung am 2. Dezember 2010 mit 14:8 Stimmen gegen die favorisierte Kandidatur der USA durchgesetzt.

Vor einigen Monaten hatte der als Fifa-Vizepräsident wegen Korruptionsvorwürfen geschasste Jack Warner den sogenannten „Katargate“ ins Rollen gebracht. Er deutete an, vier Mitglieder des Exekutivkomitees hätten insgesamt 20 Millionen US-Dollar (rund 15 Millionen Euro) dafür bekommen, dass sie Katar ihre Stimme gaben.

Erst vor knapp zwei Wochen hatte zudem die „Sport-Bild“ berichtet, die Ethikkommission der Fifa wolle Ende dieses Monats über weitere Ermittlungen entscheiden. Unter Berufung auf den deutschen Richter Joachim Eckert, der gemeinsam mit dem amerikanischen Staatsanwalt Michael J. Garcia das Gremium anführt, hieß es, Katar stehe unter dem Verdacht, unter den 22 stimmberechtigten Mitgliedern der Fifa-Exekutive die zur Vergabe nötige Stimmenmehrheit gekauft zu haben. Die Vorwürfe wurden bislang stets zurückgewiesen.

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