Sport : Wo bitte geht’s zum Sieg?

Hertha verliert 1:2 gegen den FC Schalke 04 und wartet nun schon seit fünf Spielen auf ein Erfolgserlebnis.

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Augen zu und durch. Andreas Ottl (li.) und der Schalker Lewis Holtby. Foto: AFP
Augen zu und durch. Andreas Ottl (li.) und der Schalker Lewis Holtby. Foto: AFPFoto: AFP

Berlin - Nach knapp einer Stunde erlebte Thomas Kraft seinen persönlichen Höhepunkt. Der Torwart von Hertha BSC tauchte reflexartig ab und fischte so den Ball von Klaas-Jan Huntelaar vor dem Überqueren der Torlinie weg. Es wäre das 3:1 für die Gäste vom FC Schalke 04 gewesen. Die Begegnung wäre vermutlich entschieden gewesen, doch Kraft hielt seine Mannschaft noch im Spiel. Dass es am Ende doch nicht zu mehr reichte für die Berliner hatte mehrere Ursachen, mit denen Kraft nichts zu tun hatte. Hertha verlor das Spiel vor 52 382 Zuschauern im Olympiastadion 1:2 (1:2). Während die Berliner nun seit fünf Spielen sieglos sind und gestern ihre dritte Heimniederlage hinnehmen mussten, klettert Schalke vorerst auf Platz zwei der Bundesligatabelle.

Die Berliner hatten den besseren Start erwischt. Hertha wirkte wacher und dynamischer als die Gelsenkirchener. Herthas Trainer Markus Babbel hatte seine Stammformation ins Rennen geschickt an diesem Freitagabend. Die Mannschaft von Huub Stevens hingegen, bei der nach ausgeheilter Verletzung Kapitän Benedikt Höwedes wieder mitwirkte, hatte einige Wackler im Spiel. Doch irgendwie verloren die Berliner den Schwung, Schalke musste nicht viel tun, um das Spiel in den Griff zu bekommen. Als dann Herthas Kapitän Andre Mijatovic in der Nähe der Mittellinie ein Fehlpass unterlief, war es passiert. Der Ball landete rasch vor dem Berliner Tor, eine Hereingabe verlängerte Herthas Innenverteidiger Roman Hubnik mit dem Kopf unfreiwillig auf Huntelaar. Und wenn der Niederländer den Ball erst einmal im Strafraum vor den Füßen hat, ist es meist zu spät. Eine halbe Drehung, ein Schuss, Schalke führte. Für Huntelaar war es bereits das 14. Saisontor, womit er in dieser Disziplin den bis dahin führenden Münchener Stürmer Mario Gomez ablöste.

Die Berliner brauchten ein paar Minuten, um den Rückstand zu verarbeiten. Sie hatten großes Glück, als Schalkes Finne Teemu Pukki auf Höhe des Elfmeterpunktes den Ball nicht traf, sonst hätte es 2:0 gestanden. Zu diesem Zeitpunkt sah es nicht gut um den Gastgeber aus, doch wie es manches Mal so ist: Wenn niemand mit rechnet, schlägt Hertha zu. Nach einer Ecke von Raffael stieg Adrian Ramos auf Höhe des kurzen Pfostens höher als die Schalker Höwedes und Papadopoulos und nickte den Ball wunderschön zum Ausgleich ein.

Dieser Treffer beflügelte die Berliner, die jetzt wieder aktiver und engagierter waren. Die Schalker, die es vorzugsweise mit langen Bällen probierten, machten es ihnen ziemlich einfach. Vor allem Ramos und Patrick Ebert übten Druck auf die Gäste aus, allerdings fehlte ihren Aktionen die Zielstrebigkeit. Und als man sich schon fast auf die Halbzeitpause eingerichtet hatte, schlug Schalke noch einmal zu. Raul spielte Pukki mit einem einfachen aber gut getimten Flachpass im Zentrum frei – und der wuselige Finne zog nach einer Körpertäuschung von Höhe der Strafraumgrenze unhaltbar für Thomas Kraft ab. Schalke führte wieder.

Es war gut eine Stunde gespielt, als Herthas Sturmspitze Pierre-Michel Lasogga erstmals an diesem Abend zum Schuss kam. Doch der Ball verfehlte knapp sein Ziel. Hertha mühte sich und drückte auf den Ausgleich. Das letzte Risiko aber vermieden die Berliner noch. Vermutlich deshalb, weil Schalke gefährlich blieb. Zudem wirkte die Abwehr der Gastgeber unsicher, allen voran Mijatovic. Dem Kapitän der Berliner unterliefen viele Stellungsfehler. Thomas Kraft im Tor verhinderte hier mindestens zweimal einen höheren, und damit wohl uneinholbaren Rückstand.

In der Schlussviertelstunde lebte das Duell mehr von der Spannung denn von Klasse. Markus Babbel hatte inzwischen sogar Ronny eingewechselt, der bislang erst elf Bundesligaminuten in den Beinen hatte. Fünf Minuten vor dem Ende vergab Schalkes Jurado freistehend aus Nahdistanz das 3:1. Die Berliner warfen nun noch einmal alles nach vorn, doch ihre Bemühungen wirkten überhastet und daher nicht zwingend. Und so blieb bis zum Schlusspfiff, den Thomas Kraft mit einem Kopfschütteln quittierte. Er hatte an diesem Abend die Niederlage am allerwenigsten verdient gehabt. Sein Trainer Markus Babbel sagte: „Vom Aufwand her kann ich der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Aber wir waren nicht zwingend genug, der letzte Pass hat oft gefehlt.“

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