Sport : Wo die Liebe hinfällt

Torsten Frings verlängert seinen Vertrag bei Werder Bremen bis 2011 – auch weil seine Ehefrau das so will

Frank Hellmann[Bremen]

Schwarze Krawatte, schwarzes Sakko, gebügeltes weißes Hemd: In diesem für ihn ungewöhnlichen Outfit platzierte sich Torsten Frings kürzlich in der Pro-7-Sendung „TV-Total“ an einem Pokertisch. Der Fußballprofi Frings machte, so fanden viele Fernsehzuschauer, beim Wettspiel unter der Schirmherrschaft von Blödelbarde Stefan Raab eine ziemlich gute Figur. Vielleicht auch deshalb, weil sich kaum einer im Kicker-Business so gut aufs Zocken versteht wie der 30-jährige Nationalspieler von Werder Bremen. Bester Beleg: Gestern verlängerte der aus Würselen bei Aachen stammende Frings seinen eigentlich bis 2009 laufenden Vertrag gleich bis 2011. Obsolet ist damit nach wochenlangem Pokerspiel das Angebot von Juventus Turin.

Gewünschter Nebeneffekt: Frings, derzeit mit geschätzten 2,5 Millionen Euro jährlich entlohnt, steigt ab sofort zum neuen Topverdiener an der Weser auf. Insider schätzen, dass Frings nun für weitere vier Jahre jenes Gehalt kassiert, das eigentlich Miroslav Klose zugedacht worden war. Inklusive Prämien dürfte Frings bei ähnlichem Saisonverlauf wie dem diesjährigen auf mehr als vier Millionen Euro kommen. So viel hat noch kein Werder-Star eingestrichen – bislang war Johan Micoud (3,5 Millionen Euro) bestverdienender Profi. „Wir haben Torsten die Freiheit gegeben, sich mit der Offerte aus Turin auseinanderzusetzen, weil es wichtig ist, dass ein Spieler mit ganzem Herzen für Werder da ist. Das hat Torsten für sich geklärt. Wir haben einen hervorragenden Spieler weiter an uns gebunden“, sagte Werders Sportchef Klaus Allofs erleichtert, nachdem er am Dienstag ein entscheidendes 20-minütiges Gespräch mit Frings geführt hatte. Frings zündete danach eine Nebelkerze: „Ich habe mir bei Allofs einen Anschiss abgeholt, weil ich im Hertha-Trikot Interviews gegeben habe.“

Waren die gestrigen Worte des langmähnigen Antreibers ehrlich? „Ich hatte ein tolles Angebot, aber Werder ist für mich eine Herzensangelegenheit“, erklärte Frings in pathetischer Tonart. „Ich habe lange genug überlegt und mit mir gerungen.“ Wohl wahr: Nachdem Juventus Turin bei Frings’ Berater Norbert Pflippen ernstes Interesse anmeldete, deuteten viele Indizien auf einen Wechsel hin, zumal die Italiener 6,5 Millionen Jahresgehalt anboten. „Die wollen mich mit aller Macht“, fühlte sich Frings geschmeichelt.

Immerhin spielte er – anders als bei seinen vorzeitigen Wechseln zu Borussia Dortmund (2002) oder Bayern München (2004) – diesmal mit offenen Karten. Am 16. April reiste Frings – mit Zustimmung des Vereins – mit Ehefrau Petra nach Turin, um sich von den Juve-Bossen die Vorzüge der norditalienischen Metropole und des Traditionsvereins zeigen zu lassen. „Es war okay“, sagte er lapidar, „die Stadt war schön, aber ich war schon in vielen schönen Städten.“ Was er nicht verriet: Dem Vernehmen nach sperrte sich seine Frau, die als ähnlich meinungsfreudig wie ihr Gatte gilt, im Interesse der Töchter Lisa-Katherina und Lena vehement gegen den Umzug. Familie Frings hat sich in Lilienthal, am Stadtrand Bremens, niedergelassen, privat hat Werders Wortführer nämlich lieber seine Ruhe.

Ruhe hat nun auch sein Verein. Der Frings-Entscheid gilt als weiterer Wegweiser, nationalen und internationalen Mitbietern die Stirn zu zeigen. Und auch wenn Klose jetzt Unmut gegenüber der Geschäftsführung äußerte („Ich bin verwundert über einige Aussagen. Einiges ist völliger Quatsch“), so will Werders Vorstand auch in dieser Personalie bei einem Bayern-Vorstoß in der Sommerpause hart bleiben. Das gilt auch für ein eventuelles Begehren von Djair Cunha, dem Vater von Ribas da Cunha, besser bekannt als Diego. Der kleine grauhaarige Mann, nach einem Mordversuch an einem Nebenbuhler in Brasilien derzeit auf freiem Fuß, ist Diegos Berater und weilt für eine Woche in Bremen bei seinem Sohn. Um einen möglichen Wechsel vorzubereiten? „Keine Angst, mit dem Vertrag hat das nichts zu tun“, ließ Diego ausrichten.

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