Sport : Wo es Geld gibt

Hertha BSC wird in der nächsten Saison wohl international spielen – der Unterschied zwischen Uefa-Cup und Champions League ist sehr groß

Mathias Klappenbach

Berlin - Der vierte Platz würde nicht viel helfen. Sportlich wäre der Rang, den Hertha BSC derzeit in der Bundesligatabelle belegt, nach dem Beinahe-Abstieg in der vorherigen Saison ein Riesenerfolg, und die Teilnahme am Uefa-Cup bringt trotz dessen geringer gewordener Bedeutung immer noch internationales Ansehen. Doch in finanzieller Hinsicht ließe sich im Uefa-Cup erst ab dem Viertelfinale ein nennenswertes Plus erwirtschaften. Und diese Runde hat Hertha trotz der viermaligen Teilnahme in den Jahren 2000 bis 2003 nie erreicht, bei einem Ausscheiden in der ersten Runde wie 2003 gegen Groclin Grodzisk aus Polen decken die Einnahmen im Heimspiel gegen einen unattraktiven Gegner nur die Reisekosten für das Auswärtsspiel.

Um sicher Geld zu verdienen, muss sich ein Klub für die Champions League qualifizieren. Der ohnehin schon riesige Unterschied zum Uefa-Cup ist für die deutschen Vereine noch größer geworden, seit die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten nicht mehr jedes Spiel übertragen. Nur in der Champions League sind hohe Einnahmen vorab garantiert: Schon allein für die Teilnahme bekam jeder Verein in dieser Saison 3,7 Millionen Euro.

Aus dem so genannten TV-Marktpool, an dem die Vereine je nach Attraktivität ihres heimischen Fernsehmarktes partizipieren, erhalten die deutschen Vertreter in dieser Saison voraussichtlich 25 Millionen Euro. Der Meister Werder Bremen ist an dieser Ausschüttung mit 50 Prozent beteiligt, der Vizemeister Bayern München mit 35 Prozent und der Dritte, wenn er sich wie Bayer Leverkusen in dieser Saison für die Gruppenphase qualifiziert, mit 15 Prozent. Rechnet man allein das Antrittsgeld und den Anteil des Dritten an dem Pool zusammen, ist man schon bei 7,5 Millionen Euro, ohne Zuschauereinnahmen oder die Siegprämien des Europäischen Fußballverbandes Uefa (330 000 Euro pro Spiel). „Es wäre die schönste Aufgabe des Jahres, solche Einnahmen in den Etat einzurechnen“, sagt Ingo Schiller, der Geschäftsführer von Hertha. „Auch im Uefa-Cup kann man ja Geld verdienen, aber nicht so gut damit planen.“

In Herthas Etat von 54,5 Millionen Euro für die kommende Saison sind keine Einnahmen aus dem internationalen Geschäft vorgesehen. Hertha hat die Lizenz mit den Auflagen bekommen, monatlich einen Finanzbericht an die Deutsche Fußball-Liga zu senden und das Negativkapital nicht zu erhöhen, also keine neuen Schulden zu machen.

Diese Auflagen würden sich auch dann nicht ändern, wenn der Verein im laufenden Etat Einnahmen aus der Champions League verbuchen könnte. Über die mögliche Verwendung solcher Einnahmen wollen die Verantwortlichen sowieso erst reden, wenn es soweit ist. Es ist davon auszugehen, dass ein Teil des Geldes für den Abbau der Verbindlichkeiten von fast 19 Millionen Euro verwendet würde, ein anderer Teil würde in die Mannschaft investiert. Die jetzigen Spieler treffen auf jeden Fall schon gleich nach der Bundesligasaison auf einen international renommierten Gegner: Am 27. Mai geht es beim „Friendly-Cup“ in Paris gegen Sporting Lissabon, Halbfinalist im Uefa-Cup.

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