Sport : Wo ist Matthäus da nur hingeraten?

Hartmut Scherzer

Die MetroStars verlieren 1:3 gegen Miami, und der Trainer ist enttäuscht von seinem neuen StarHartmut Scherzer

Seine auffälligste Szene hatte Lothar Matthäus an der Seitenlinie. Fuchsteufelswild - und natürlich auf Englisch - machte der weltberühmte Debütant in der Major League Soccer nach dem dritten Tor dem Linienrichter Reggie Rutty bittere Vorwürfe. Es war Abseits. "Not one, five yards." Man beachte: Der Ex- Bayer und Neu-Amerikaner misst nicht länger in Meter. Aber: "Offside is offside!" Da gebe es zwischen deutschen und amerikanischen Regeln keinen Unterschied. Mit dem irregulären dritten Tor war das Spiel entschieden. Die New York/New Jersey MetroStars begannen die neue Saison so, wie sie die letzte beendet hatten: Mit einer 1:3-Niederlage in Fort Lauderdale gegen Miami Fusion und einer miserablen Leistung. Trotz Lothar Matthäus. Der war nach zwei Wochen Euphorie total ernüchtert: "Den Anfang hatte ich mir anders vorgestellt."

Nichts war es mit einem triumphalen Einstand in Amerika und der Lotharmania in Florida. Selten hat der Weltstar in einem Ligaspiel vor einer so dürftigen Kulisse gespielt wie im Lockhart Stadium. Die offizielle Zahl 10 482 wurde von den lokalen Reportern stark angezweifelt: "Werden hier die Köpfe oder die Füße gezählt?" Immerhin: Ein Transparent verhieß: "Die Münchner Freunde grüßen Lothar Matthäus". Aber nur ein Lothar hatte sich zum freien Eintritt gemeldet. Wo ist Matthäus da nur hingeraten? In der Bundesliga hätten die MetroStars keine Chance, "so wie wir heute gespielt haben", räumte selbst Matthäus ein, der sonst - so hartnäckig wie diplomatisch - den MSL-Fußball über den grünen Klee lobt: "Very high level. Technisch gut. Keine Liga zum Ausruhen." Der Schweiß stand ihm noch auf der Stirn, als er im roten Freizeithemd des Klubs am Rednerpult im Pressezelt seine neue Fußball-Heimat verteidigte: "Deutschland hat in den letzten 14 Monaten zweimal gegen die USA verloren. Es ist hochnäsig, ja unverschämt, den amerikanischen Fußball als zwei Klassen schlechter zu bezeichnen."

Dennoch: New York/New Jersey spielt nicht viel besser als Greuther Fürth. Wie sollte sich also der Weltstar in einer Mannschaft entfalten, in der die Grätschen des Thomas Dooley die bemerkenwertesten Aktionen waren, in der Lothars sprachliche Verständigung die spielerische bei weitem übertrifft? Matthäus begann mit drei Fehlpässen und zwei Rettungstaten. Nach dem haarsträubenden Abwehrfehler des Iraners Khakpour war keine Rettung mehr möglich: 0:1 durch den herausragenden Nationalspieler Lassiter. Der Ausgleich des Kolumbianers Comas hielt bis zur 51. Minute. Den Kopfball Eric Wynaldas nach einer Ecke wollte Matthäus, am zweiten Pfosten stehend, klären. "Da kam einer mit der Hand dazwischen." Also noch ein irreguläres Tor wie das dritte durch Serna nach gut einer Stunde.

Anfangs spielte Matthäus Ausputzer, "weil die Mannschaft sehr unsicher war". Später im Mittelfeld war er mit einigen guten Pässen, wie dem zur größten Chance durch Dooley, am effektivsten. "Das zeichnet den Klassespieler aus", beobachtete Fusion-Trainer Ivo Wortmann, "wenn er die beste Position sieht." Was nutzt es, wenn es die Mitspieler nicht sehen? "Die MetroStars haben Lothar Matthäus im Stich gelassen", tippte Pedro Fonteboa vom "Miami Herald" in seinen Laptop. Der reichlich angesäuerte Trainer der MetroStars, Octavio Zambrano, sah das anders. Er erwähnte vier Spieler, die ihn zufrieden gestellt hätten. Matthäus war nicht dabei. "Ich bin sehr enttäuscht. Lothar muss unsere Liga erst kennenlernen. Jetzt kann man seine Leistung noch nicht beurteilen."

Da stört es ihn natürlich, dass der deutsche Rekordnationale sofort wieder nach Europa flog und erst am Abend vor dem ersten Heimspiel am 1. April gegen D. C. United vom Länderspiel in Zagreb zurückkehrt. Zambrano seufzte: "Das ist leider die Realität." Die andere Realität seiner neuen Umgebung hat Lothar Mathäus in seinen ersten neunzig MLS-Minuten so erfahren: "Sie versuchen, schnell zu spielen, aber verlieren schnell den Ball. Sie lieben den risikoreichen Pass, aber der ist nicht immer der richtige. Sie machen viele Fehler." Auf dem Nachtflug über den Atlantik zu seinem 145. Länderspiel muss ihm das alles wie ein böser Traum vorgekommen sein.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben