Sport : Wo liegt Südkorea?

Michael Rosentritt

über ein halbes Jahr Jürgen Klinsmann Die Asienreise der deutschen Nationalmannschaft zum Jahresabschluss war kein Fortschritt, aber eine Erfahrung. Durch die Niederlage gegen Südkorea und dem umständlichen Sieg über Thailand hat die Euphorie um das deutsche Team einen kleinen Knacks bekommen. Aber gemessen an der Leistung der Trainerfindungskommission, die im Sommer lange keinen Nachfolger für Rudi Völler fand, ist das, was sich in den letzten Monaten im Umfeld der deutschen Mannschaft abspielte, das genaue Gegenteil – nämlich ein Erfolg.

Hatte sich noch vor vier Jahren die Interimslösung Rudi Völler zumindest als Publikumsrenner erwiesen, so hat Jürgen Klinsmann schon jetzt mehr erreicht. In der Amtszeit des 40-jährigen Bundestrainers hat sich vieles zum Positiven gewendet. Vor allem ist eine Handschrift erkennbar – für einen Trainer gibt es wohl kein schöneres Kompliment. Klinsmann hat junge Spieler getestet, er hat der Mannschaft eine neue Denk- und Spielweise verpasst. Dadurch entstand eine neue Mentalität. Eine, die nach vorne gerichtet ist. Die Fußballfans werden im nächsten Jahr verfolgen können, ob sich die jungen Spieler in dieser Stimmung weiterentwickeln können. Sie werden sehen, wie die älteren reagieren, die jetzt begriffen haben dürften, dass es Alternativen gibt. Das dürfte die einzige Lehre aus der Asienreise sein. Ansonsten ist Südkorea bereits heute schon sehr weit weg.

Eine gute Stimmung allein wird nicht ausreichen, um 2006 Weltmeister zu werden. Aber: Ein Aufbruch ist da und eine Haltung. Und das ist weit mehr, als vor einem halben Jahr zu erwarten war.

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