Sport : Wo sich Schaf und Papageientaucher Gute Nacht sagen

Ein kleines Lexikon der Färöer

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Anreise: Wo liegen die Färöer? Im Atlantik, etwa 300 Kilometer nordwestlich von Schottland und 600 Kilometer westlich von Norwegen. Die Färöer stellen eine Inselgruppe dar, 18 sind es insgesamt, 17 Inseln sind bewohnt. Die 47 000 Einwohner teilen sich die Inseln mit etwa 100 000 Schafen.

Flughafen: Auf der Insel Vagar, etwa 50 Kilometer vom Stadion entfernt, liegt der internationale „Vagar–Lufthavn“. Die Betonbahn ist 1500 Meter lang. Das ist verdammt wenig, der Flughafen BerlinTegel hat eine doppelt so lange Landebahn. Die deutsche Nationalmannschaft hat deshalb einen so genannten vierstrahligen Avroliner-Jet gemietet, der schafft es gerade so. Um wieder abzuheben, benötigt dieser Jet 1400 Meter – das kann knapp werden.

Hotel: Vom Flughafen geht’s mit einem Charterbus durch den neuen Tunnel unter dem Meer nach Torshavn. Dort steigen die Spieler im „Hotel Föroyar“ ab, das zur „Best Western“-Kette gehört. Alternativen sind rar: Es gibt nur drei Hotels auf den Färöern. Die Hochzeitssuite im „Hotel Föroyar“, kostet 225 Euro – Satelliten-TV inklusive.

Jobs: Da die meisten Färinger keine Fußballprofis sind, gehen sie einem normalen Job nach: So ist Stürmer Petersen Grundschullehrer, sein Kollege Elttör arbeitet in einer Tankstelle als Verkäufer. Und Ersatztorhüter Knudsen ist Gabelstaplerfahrer. Für einen Sieg gegen die Deutschen gäbe es jetzt vom Verband der Färöer 1000 Euro extra – zusätzlich zu 120 Euro Spesen am Tag.

Klima: An 300 Tagen im Jahr regnet es – und, na klar, so soll es auch am Mittwochabend sein. „Wetter.de“ meldet: Die Höchsttemperatur wird bei 12 Grad Celsius liegen, die Tiefsttemperatur bei 9 Grad Celsius. Luftfeuchtigkeit: 92 Prozent.

Mahlzeit: Die Deutschen reisen mit eigenem Koch an. Aus gutem Grund: Die „FAZ“ hat schon mal den „Färoischen Teller“ des Mannschaftshotels getestet: Luftgetrocknetes Schafsfleisch („schuhsohlige Konsistenz“) und luftgetrockneter Fisch („um ihn gefahrlos die Speiseröhre hinunterzubringen, muss der Fisch mit einem Stück Walspeck belegt werden“). Besser habe „Papageientaucherbrust mit Muscheln, Zwiebeln und Wildsauce“ geschmeckt. Alternativen? Höchstens „Burger King“ im Einkaufszentrum. Ein Glas „Föroya Pilsner“ kostet sechs Euro – Mitternacht ist Sperrstunde.

Oben ohne: Das Spiel wird im neuen Torvullar-Stadion ausgetragen. Es fasst etwa 6000 Zuschauer, bietet nur Sitzplätze – aber trotz des ständigen Regens kein Dach. Das Spiel ist seit Monaten ausverkauft, im Gästeblock nehmen 650 Deutsche Platz. Immerhin: Das Stadion hat einen Rasenplatz, davon gibt es auf den Inseln nur zwei. Ansonsten wird auf Kunstrasen gespielt.

Politik: Seit 1948 sind die Färöer autonom von Dänemark, die Menschen streben aber völlige Unabhängigkeit an. Doch eine angekündigte Volksabstimmung ist zuletzt vor zwei Jahren gescheitert. Derzeit sitzen zwei Färinger im dänischen Parlament.

Regel: Wegen des Windes hat der Weltverband Fifa eine Ausnahmeregelung eingeführt. So darf bei einem Elfmeter ein Kollege den Ball mit der Hand festhalten, damit dieser nicht dauernd wegkullert. Heute Abend soll es aber eher windstill sein: Der Ostwind kommt mit 15 km/h daher.

Schlaf: Ein heikles Kapitel. Denn auf den Färöern wird es nie so richtig dunkel in diesen Tagen. Wenn das Spiel um 19.45 Uhr Ortszeit (20.45 Uhr MESZ) angepfiffen wird, ist es taghell – deshalb hat das Stadion keine Flutlichtanlage. Der Sonnenuntergang setzt gegen 2 Uhr ein, gegen 5 Uhr wird es allerdings schon wieder hell. Damit die Spieler schlafen können, sollen die Vorhänge im „Hotel Föroyar“ sehr dicht sein.

Vollprofis: Davon gibt es nur drei Fußballer im Team der Färöer. Torwart Mikkelsen steht beim FC Molde (Norwegen) unter Vertrag, Verteidiger Jon Roi Jacobsen (Bröndby Kopenhagen) und Christian Jacobsen (Vejle BK) spielen in Dänemark. Die Erste Liga der Färöer heißt „1. Deild menn“, darin spielen die zehn Erstligisten zwischen Mai und Oktober den Meister aus – später kann wegen des rauen Wetters nicht gespielt werden. Trainiert wird zwei, drei Mal in der Woche, so oft wie in Deutschlands Oberliga.

Walfang: Der wichtigste Wirtschaftsfaktor der Färöer. Dabei werden Grindwalherden unter den Augen des Walfangleiters in seichte Buchten getrieben. Das Harpunieren ist verboten, die Tiere werden mit einem speziellen Messer getötet. Der Grind deckt ein Viertel des Fleischkonsums ab.

Zuletzt: So langsam hat es jeder kapiert, aber zuletzt war wieder die Rede von den „Färöer Inseln“. Das macht keinen Sinn: „Färöer“ (übersetzt: „Schafsinseln“) beinhaltet bereits das Wort „Inseln“. Die Einwohner der Inseln heißen „Färinger“. AG

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