Sport : Wo zu viel Stolz ist

-

Ozan Sakar über Türken,

die nicht verlieren können

Der Fußballer Roy Präger hat einmal einen fatalen Fehler begangen: In einem UI-Cup- Heimspiel mit seinem damaligen Verein Hamburger SV gegen Trabzonspor setzte er nach seinem Treffer zum 3:0 zu einer berühmt gewordenen Gestik an: Er kniete sich hin und bewegte seinen rechten Arm, zu 90 Grad angewinkelt, rhythmisch vor und zurück, ein Jubel, der hierzulande die „Säge" genannt wird. Eigentlich weiter kein Problem, nur suchte er sich dabei genau den Fanblock aus, in dem die türkischen Anhänger standen. Es gab einen Riesentumult. Die Türken, durch den Treffer sowieso schon frustriert, kannten die Bewegung aus ihrer Heimat als Symbol derbster Beleidigung. Sie flippten aus, warfen Gegenstände, das Spiel musste unterbrochen werden. U-21-Nationalspieler Benjamin Auer kennt die Anekdote vermutlich nicht. Vielleicht hätte er sich sonst mit seinen Mitspielern beim Torjubel in der Türkei etwas zurückgehalten.

Aber hätte das was genützt? Sind die Türken nicht auch ohne provokative Geste ausgerastet? Warum lassen sich Türken überhaupt so leicht provozieren? Warum sind sie unfaire, ja oft schlechte Verlierer?

Die meisten Amateur-Kicker kennen die Situation, wenn ein Spiel gegen einen türkischen Gegner wegen Ausschreitungen wieder einmal abgebrochen werden muss. Eine falsche Schiedsrichterentscheidung zu Ungunsten der Türken – und schon wird es sehr aggressiv. Auch die Letten mussten das erfahren. Ihr Männerteam hatte das erste EM-Relegationsspiel gegen die Türkei 1:0 gewonnen. Und natürlich war, wie gestern bei den Junioren, der Schiedsrichter schuld. Aus türkischer Sicht rechtfertigt das Einreise-Schikanen oder, wie bei den Deutschen, Lautsprecherdurchsagen während der deutschen Nationalhymne. Sportlich ist das nicht.

Italiener und Spanier sind auch sehr stolz und streiten gerne, laut und aggressiv. Gewalttätig werden sie nur selten, der Streit gehört zur Kultur, das schnelle Versöhnen aber auch. Und die Türken? Noch stolzer? Nachtragend? Ohne Einsicht in die eigenen Fehler? Es muss wohl so sein. Vielleicht hängt das alles auch mit dem Komplex zusammen, in Europa zu spielen, aber bisher nicht wirklich in Europa angekommen zu sein. Auf Augenhöhe sein mit Europa, das will man. Aber sich nur nicht belehren lassen. Die Politik hat oft genug bemängelt, dass die Türkei es zuweilen mit den Menschenrechten nicht so eng sieht.

Mit der Fairness leider auch nicht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar