Sport : Wochenende ohne Wohlgefühl

Sebastian Vettel belegt auf dem Nürburgring nur Rang vier, Lewis Hamilton siegt überraschend

Karin Sturm[Nürburgring]
Das perlt aber heute wieder. Lewis Hamilton feierte seinen zweiten Saisonsieg mit einer Champagnerdusche. Foto: Reuters
Das perlt aber heute wieder. Lewis Hamilton feierte seinen zweiten Saisonsieg mit einer Champagnerdusche. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Die Pressesprecherin hatte schon am Vormittag Sebastian Vettels Sponsorenkappe im Pressekonferenzraum deponiert. So wie sie es auch in den elf Rennen zuvor gemacht hatte und jeweils richtig gelegen hatte, weil der deutsche Formel-1-Weltmeister als Erster oder Zweiter wie alle Podiumspiloten vor die internationalen Medien treten musste. Doch nun bei seinem Heimrennen auf dem Nürburgring lag sie falsch.

Sebastian Vettel musste sich nach einem von Anfang an nicht besonders glücklich verlaufenen Rennen mit Platz vier begnügen. Der Sieg ging etwas überraschend an Lewis Hamilton im McLaren-Mercedes, der sich zu Beginn des Wochenendes hier noch chancenlos gewähnt hatte. Auf Platz zwei traf Fernando Alonso im Ferrari ein, gefolgt von Vettels Red-Bull-Teamkollegen Mark Webber.

Vettel konnte schon am Start seinen Wunsch, aus der zweiten Reihe gleich in Führung gehen zu können, nicht verwirklichen. Im Gegenteil, sogar der hinter ihm gestartete Fernando Alonso kam zunächst an ihm vorbei. In der zweiten Runde kam Vettel kurz vorbei an ihm, musste sich dann aber sechs Runden später dem Spanier endgültig beugen. Anschließend leistete er sich auch noch einen Ausrutscher: „Beim Anbremsen in einer Kurve bin ich auf den noch nassen Kunstrasen gekommen“ sagte er. Zum Glück schlug Vettel nirgends an, doch die Aktion kostete acht Sekunden und damit endgültig die Tuchfühlung zur Spitzengruppe.

Dann fiel er beim ersten Stopp sogar noch hinter Felipe Massa im zweiten Ferrari zurück. „Wir waren heute auch einfach nicht schnell genug, das Auto fühlte sich sehr unruhig an, dazu ein paar leichte Bremsprobleme hinten“, sagte Sebastian Vettel, „alle haben am Anfang noch ein bisschen gebraucht, um ihre Reifen auf Temperatur zu bringen, dann sind sie schneller geworden, ich aber nicht.“

Den vierten Platz holte sich Vettel erst in der letzten Runde in einem dramatischen Boxenstoppduell gegen den Brasilianer Massa zurück. „Da darf man schon die Einfahrt nicht verpassen im Eifer des Gefechts“, sagte er über die letzten Sekunden des Rennens, „einen Bremsplatten sollte man sich auch nicht einhandeln, ich habe jedenfalls versucht, alles rauszuholen, und war so dicht an Massa dran wie nur möglich.“ Auch seine Boxencrew arbeitete in dieser Situation perfekt. „ Als ich dann wieder los bin und gesehen habe, dass Felipe noch steht, weil da wohl links hinten was geklemmt hat, war das schon ein schönes Gefühl“, sagte er.

Der vierte Platz sei in diesem Rennen wohl das Maximale gewesen. „Ich habe mich das ganze Wochenende nicht so richtig wohl im Auto gefühlt“, sagte er. „Wir müssen jetzt mal genau analysieren woran es liegt und unsere Hausaufgaben machen.“ Aber man müsse auch anerkennen, dass seine Konkurrenten einen Schritt nach vorne gemacht hätten.

Zum Beispiel Lewis Hamilton, der vor zwei Wochen bei seinem Heimrennen in England noch chancenlos gewesen war und dort viel Kritik einstecken musste, konnte seine Freude kaum in Worte fassen. „Es war wohl eines der besten Rennen, die ich je gefahren bin“, sagte er. Dass das aber die Wende zum Positiven sei, daran wollte der Brite noch nicht so recht glauben: „Es kann genauso sein, dass wir beim nächsten Rennen in Ungarn wieder genauso ein Katastrophenwochenende haben wie in Valencia.“

Hinter Vettel wurde Adrian Sutil als Sechster Bester der restlichen Deutschen. „Das war nach den schlechten Rennen zuletzt aber auch mal wieder nötig“, sagte er, „umso schöner, dass es jetzt hier beim Heimrennen geklappt hat.“ Nicht so zufrieden sein konnte man bei Mercedes. Sportchef Norbert Haug konnte bei seinem 300. Grand Prix nur die Ränge sieben und acht für Nico Rosberg und Michael Schumacher verbuchen. Wobei sich der siebenmalige Weltmeister ärgerte, mit einem Dreher an der gleichen Stelle wie Vettel eine mögliche bessere Platzierung weggeworfen zu haben: „Ohne den wäre wohl der sechste Platz drin gewesen“, sagte Michael Schumacher. Timo Glock, der am Vormittag seinen Vertrag mit Virgin verlängert hatte, wurde 17., Nick Heidfelds Rennen war nach einer Kollision mit Sebastien Buemi im Toro Rosso früh zu Ende. „Mich mit Tempo 300 in die Wiese zu drängen, das geht nicht“, schimpfte er, „keine Ahnung, was in ihm vorgegangen ist.“

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