Sport : Wohlgefühl im Wellblech

Die Eisbären empfangen Hamburg zum fünften Play-off-Spiel

Claus Vetter

Berlin. In Hamburg will den EHC Eisbären niemand so recht verstehen. Der Umzug des Berliner Klubs aus der Deutschen Eishockey- Liga (DEL) von der größeren Deutschlandhalle in die kleine Arena im Sportforum Hohenschönhausen wird von den Fans als „Rückzug“ munter fehlinterpretiert. In einer Hamburger Zeitung ist vor dem Spiel zwischen den Berlinern und den Freezers (19.30 Uhr) gar von „Furcht der Eisbären“ die Rede. Sicher, neutral betrachtet macht es keinen Sinn, das fünfte und möglicherweise schon entscheidende Spiel der nach dem Modus Best of seven gespielten Serie statt vor 9000 vor 5000 Zuschauern auszutragen. Die Berliner führen in der Gesamtwertung 3:1, brauchen also nur noch einen Sieg zum Erreichen des Halbfinales.

Doch die Fans der Eisbären haben nun mal ihr ganz eigenes Verhältnis zu ihrem Wellblechpalast, hatten bei den beiden Heimspielen ihrer Lieblinge vergangene Woche in der Deutschlandhalle lautstark proklamiert, dass sie von der Arena am Messegelände sehr wenig halten. Und auch die Spieler der Berliner freuen sich auf die Rückkehr nach Hohenschönhausen. „Hier im Stadion ist einfach viel mehr Atmosphäre“, sagt Stürmer David Roberts. „Die Fans klingen lauter, weil die Halle kleiner ist.“ Und damit für die Eisbären auch das nächste Spiel in gemütlicher, familiärer Atmosphäre stattfinden kann, wollen die Berliner Freitag mit einem vierten Sieg natürlich vermeiden, dass sie am Sonntag noch einmal nach Hamburg in die riesige Colorline Arena müssen. „Die Freezers sind eine gute Heimmannschaft“, sagt Verteidiger Keith Aldridge. „Außerdem hätten wir dann bis zum Halbfinale eine Woche frei.“

Ein schöner Gedanke für die Spieler der Eisbären, an denen die weltpolitische Lage allerdings am Donnerstag auch nicht so ganz spurlos vorbeiging. „No War“ – so stand auf einem Schild geschrieben, das ein Eisbären-Fan dabeihatte. Der US-Amerikaner Aldridge hatte es nicht übersehen. „Das ist nicht meine Meinung“, sagte er. „Aber jeder kann sagen, was er will, dadurch zeichnet sich die Demokratie aus.“

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