Wolfgang Frank : "Kloppo hat am besten zugehört"

Wolfgang Frank förderte Dortmunds Meistercoach Jürgen Klopp, als sie gemeinsam in Mainz tätig waren. Seine Erinnerungen hat Friedhard Teuffel aufgezeichnet.

Wolfgang Frank
Längst größer als sein Lehrmeister. Wolfgang Frank (l.) hat den Trainer Klopp entscheidend geprägt.
Längst größer als sein Lehrmeister. Wolfgang Frank (l.) hat den Trainer Klopp entscheidend geprägt.Foto: IMAGO

Was mich genau aufgeregt hat, weiß ich nicht mehr. Aber ich weiß noch, dass ich Jürgen Klopp im Training mal nach Hause geschickt habe. Um etwas Luft rauszulassen, musste ich das tun. Ich war sauer auf ihn. Impulsiv, das ist nämlich das eine, was mir zu Kloppo einfällt. Im Spiel konnte er auch richtig jähzornig werden. Aber es gibt auch eine andere Seite an ihm. Er ist sehr nachdenklich und ein intelligenter Junge. Wenn ich ihn nach Hause geschickt habe, kam er danach immer wieder und hat alles bereinigt.

Wenn ich heute höre, dass Kloppo von mir besonders viel gelernt habe, ist das natürlich eine Ehre für mich. Wir hatten eine sehr spannende Zeit zusammen in den neunziger Jahren beim FSV Mainz 05, ich als Trainer, er als Spieler. Viele meiner Mainzer Spieler sind Trainer geworden, Christian Hock, Peter Neustädter, Sven Demandt, Torsten Lieberknecht. Einige haben sehr gut zugehört; und Kloppo hat am besten zugehört.

Ich will bei meinen Spielern das Denken fördern. Sie sollen verstehen, dass der Erfolg viele Faktoren hat. Man muss eine Strategie haben, die greift, wie man die Räume auf dem Feld besetzt und benutzt. Und wie man eine Mannschaft behandelt. Bei Kloppo fallen mir einige Dinge auf, die auch mir immer wichtig waren. Man muss sich mit seinen Spielern auseinandersetzen, eine gute Beziehung zu ihnen aufbauen, das eigene Konzept mit Begeisterung rüberbringen. Damit sie eben mehr laufen als die Spieler des Gegners. Das schafft Kloppo unglaublich gut. Als Trainer brauchst du Verbündete unter den Spielern, die mitdenken. Für mich war Kloppo damals so ein Verbündeter.

Man muss als Trainer auch ein bisschen vorausschauen. In Mainz haben wir Mitte der Neunziger die Viererkette gespielt, es gab nicht viele, die sonst in der Zweiten Liga so gespielt haben. Damals hieß es immer, man kann taktisch nur so gut spielen, wie es die individuelle Klasse der Spieler zulässt. Das haben wir damals widerlegt.

Ein Aha-Erlebnis war für mich ein Pokalspiel gegen Hertha BSC 1999 im Achtelfinale. Kloppo flog in der zweiten Halbzeit vom Platz, in der Verlängerung ein weiterer Mainzer. Gewonnen haben wir trotzdem, und ich habe gedacht: Es geht also auch mit weniger Spielern, wenn man zwei Viererketten gut organisiert hat. Ich habe in Mainz mit autogenem Training angefangen und bin dafür belächelt worden. Im Training haben wir Studenten auf die Tribüne gesetzt, die Ballkontakte gezählt und Laufwege nachgezeichnet haben. Mit manchen Dingen haben wir es auch übertrieben. Zum Beispiel mit unseren taktischen Besprechungen. Ich habe dann unsere Sitzungen von zwei Stunden auf fünfzig Minuten reduziert.

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