Sport : Wolfsburg (A) - Borussia Dortmund: Und jetzt wieder gegen Kickers Emden

Andreas Pahlmann

Am Ende eines langen Abends wären die neuen Helden fast noch gestoppt worden. Vom Türsteher einer Wolfsburger Diskothek. Falsche Kleidung. Kein Einlass. Man kennt das. Die Spieler des Bundesliga-Tabellenführers Borussia Dortmund hingegen hatten ein paar Stunden später vergeblich versucht, die Amateure des VfL Wolfsburg aufzuhalten. Doch auch der Türsteher erwies sich letztlich nicht als unüberwindliches Hindernis. Thomas Herbst flüsterte dem Schrank an der Kasse ein paar Worte ins Ohr, und plötzlich durfte die ganze Mannschaft rein. Bei freiem Eintritt.

Was Herbst gesagt hatte? "Mein Geheimnis", antwortete er. Doch mit Sicherheit hatte es etwas mit Pokal, Dortmund und Sensation zu tun. Den viertklassigen Amateuren des VfL war die Überraschung des Wochenendes gelungen. Und die Dortmunder hatten ihren Teil dazu beigetragen. Eine gute Portion Hochmut, ein kräftiger Schuss Arroganz und eine Prise Ignoranz bescherten ihnen das Aus bereits in Runde eins. Das sensationelle 0:1 war für die Borussen schon die vierte Niederlage gegen einen Amateurverein binnen elf Jahren.

Eine entscheidende Schuld trug Dortmunds Trainer Matthias Sammer. Doch der blieb davon überzeugt, das Richtige getan zu haben. "Ich würde immer wieder so entscheiden. Die Pause für unsere Leistungsträger war absolut notwendig", sagte Matthias Sammer zur allgemeinen Verwunderung. Das nächste Punktspiel steht erst am 8. September an. Trotzdem ließ Sammer Tomas Rosicky, Jan Koller und Marcio Amoroso zunächst ebenso auf der Bank wie Mittelfeldspieler Sunday Oliseh und Stammtorhüter Jens Lehmann. Sammer bekam die Quittung für diese Fehleinschätzung. Mit seiner zweiten Mannschaft wollte er die Hürde bei den Amateuren des VfL Wolfsburg nehmen. "Ich habe nichts dagegen, wenn mir die Niederlage zugeschrieben wird. Ich nehme sie auf meine Kappe", sagte der BVB-Trainer. "Ich stehe in der Verantwortung und muss damit leben." Aber was heißt schon zweite Mannschaft? Immerhin standen mit Fredi Bobic, Jan-Derek Sörensen, Lars Ricken, Miroslav Stevic, Sead Kapetanovic, Christian Wörns und Christoph Metzelder sieben Nationalspieler in der Anfangself. Erst spät wechselte Sammer Rosicky, Amoroso und Koller ein - zu spät. Mit Einsatz, Kampfgeist und Glück verteidigten die ehrgeizigen Amateure ihren knappen Vorsprung, den Ingo Vandreike herausgeschossen hatte.

"Wir haben kein gutes Spiel gemacht", sagte Sammer. Dortmunds Trainer hatte auf seine Reservisten vertraut. Doch die fanden vor 5166 Zuschauern keine Einstellung zum Spiel. "Wir hatten doch keine schlechte Mannschaft auf dem Platz. So etwas durfte uns nicht passieren", klagte Sammer. Dortmunds Manager Michael Meier fand für die Blamage kaum Worte: "Es ist schon erstaunlich, dass wir seit 1990 in diesem Wettbewerb nichts mehr zu Stande bringen."

Bei den Wolfsburgern glich die Kabine nach der Begegnung einem Festzelt. Mit einem Weiterkommen im Pokal hatte niemand im Wolfsburger Lager gerechnet. "Daran müssen sich die Profis ein Beispiel nehmen", sagte Manager Peter Pander. "Wir haben nicht unverdient gewonnen. Im Pokal kommt so etwas Einmaliges schon mal vor", sagte Amateurtrainer Michael Krüger. Er genoss den Erfolg in vollen Zügen. In Ägypten hatte der Trainer einmal mit dem Klub Arab Contractors den Pokal gewonnen und sich anschließend auch im Afrika-Cup durchgesetzt. "Wir müssen aber mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben. Nächste Woche kann es im Punktspiel schon ganz anders aussehen", sagte Krüger. Sein Team trifft dann in der Oberliga auf Kickers Emden.

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