Sport : Wolfsburg bleibt obenauf

Der VfL gewinnt dank zweier Tore von Grafite 2:1 gegen Leverkusen und führt weiter die Bundesliga an

Christian Otto[Wolfsburg]
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Die Last des Torschützen. Grafite feiert mit Dzeko auf dem Rücken den ersten seiner beiden Treffer. Foto: dpa

Vielleicht sind sie es ja, die die richtige Medizin gefunden haben. Gegen diesen Bazillus, der in dieser Saison schon all jene Fußballteams befallen hat, die es bis an die Tabellenspitze der Bundesliga geschafft haben. Der VfL Wolfsburg jedenfalls spielte auch im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen beschwerdefrei auf und gewann durch zwei Tore von Grafite mit 2:1 (1:0). Allerdings bedurfte es neben der eigenen Abwehrkräfte auch der Hilfe von Schiedsrichter Jochen Drees, der den Leverkusenern in letzter Minute einen Handelfmeter verweigerte. „Die Komponente Glück war heute mit ausschlaggebend“, gab Wolfsburgs Trainer Felix Magath zu.

Als sich die TSG Hoffenheim, der Hamburger SV oder Hertha BSC ganz oben in der Tabelle etablieren wollten, ging bei ihnen irgendwann irgendetwas schief. Die Wolfsburger aber bleiben von Verletzungen, Nervositäten oder Hochnäsigkeiten auf wundersame Weise verschont. Sie siegen und siegen und siegen. Mit dem Glanzstück gegen Leverkusen, dem zehnten Erfolg in Serie, stellte der VfL sogar den Bundesligarekord von Borussia Mönchengladbach aus dem Jahr 1987 ein.

Im Duell der Vereine, die sich ungern Werksklubs nennen lassen, bekamen die Wolfsburger, deren Karriere im bezahlten Fußball der Volkswagen-Konzern möglich macht, eine interessante Starthilfe. Nach einem verhaltenen Auftakt sorgte Schiedsrichter Drees für einen nicht ganz unwichtigen Wachmacher. Nach einem Zweikampf zwischen Grafite und Manuel Friedrich, der von dem Brasilianer mit ein wenig Gezerre und viel Geschick im Strafraum überholt worden war, zeigte der Unparteiische auf den Elfmeterpunkt. Grafite trat selbst an. Der Ball flog nach rechts, Torwart Rene Adler nach links – die 29 500 Fans durften den 21. Saisontreffer von Grafite bejubeln.

Aus dem Duell Torjäger gegen Torhüter entwickelte sich eine Privatfehde, die es in sich hatte. Denn nach ihrem Führungstreffer schalteten die Wolfsburger einen Gang höher. Die Herren Misimovic, Dzeko und eben Grafite stellten Adler im Minutentakt auf die Probe. Besonders knifflig wurde die Sache kurz vor der Halbzeit, als Grafite nach einem Pass von Zvejzdan Misimovic dem 2:0 entgegenlief. Er wurde auf rüde Art und Weise vom herauslaufenden Adler gestoppt, der bei dieser Aktion außerhalb des Strafraums auch noch mit der Hand zum Ball ging. Aber nachdem Grafite schmerzhaft zu Boden gegangen war, entschied Referee Drees auf Freistoß für Leverkusen – und war fortan unbeliebt.

Vielleicht hielten sich die Wolfsburger nach der Halbzeit zu lange mit ihrem Ärger auf. Sie ließen die Leverkusener kombinieren, was angesichts der vielen glänzenden Individualisten im Bayer-Team selten eine gute Idee ist. Nach mehreren schönen Kombinationen kam erst Simon Rolfes zu einem Lattentreffer. Kurz darauf machte es Toni Kroos besser. Das vom FC Bayern ausgeliehene Talent zirkelte den Ball aus 14 Metern vorbei am chancenlosen VfL-Torhüter Diego Benaglio. Es war ein Ausgleichstreffer, der schön war und auch noch verdient.

Aber Wolfsburg wäre in dieser Saison nicht auf der Überholspur, wenn Grafite nicht immer noch eine Antwort einfallen würde. Nach einem Konter, wieder einmal vom starken Misimovic eingeleitet, überlistete er Schlussmann Adler ein zweites Mal. Mit viel Glück, aber auch Geschick rettete der VfL den Sieg über die Zeit. „Grün-Weiß VfL, unsere Farben leuchten hell“ hieß es nach dem Abpfiff wieder in Wolfsburg. Es wird wohl allmählich Zeit, dass sich die Bundesliga mit dieser zweitklassigen Hymne und einer erstklassigen Wolfsburger Mannschaft auf dem Weg zum Meistertitel anfreundet.

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