Wolfsburg - Bremen : Ärger in letzter Sekunde

Ein grimmiger Blick und strammer Schritt. Armin Veh war fest entschlossen, bei Schiedsrichter Günter Perl noch über das turbulente, schlussendlich dramatische 2:2 (0:1) zwischen dem Pokalsieger Werder Bremen und Meister VfL Wolfsburg zu debattieren.

Frank Hellmann[Bremen]
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Zwei Männer, zwei Meinungen. Wolfsburg Trainer Armin Veh suchte nach Spielende das Gespräch mit Schiedsrichter Günter Perl. Foto:...dpa

 Und so führte der Weg des Gästetrainers unmittelbar nach Schlusspfiff im Bremer Weserstadion zum gelernten Groß- und Außenhandelskaufmann aus dem bayrischen Pullach, der Vehs Intervention jedoch unmissverständlich abwehrte. Perl wollte nicht der Sündenbock sein, für den ihn Veh hielt. „Jeder hat gesehen, dass es vor dem 2:2 ein Handspiel gab“, lästerte der Wolfsburger Trainer und Manager, „ich bin gespannt, ob sich das über die Saison ausgleicht.“ Veh monierte, dass Werders ansonsten seltsam lethargischer Spielmacher Mesut Özil in der zweiten Minute der Nachspielzeit die Hand zu Hilfe genommen habe, worauf sich eine Ecke entwickelte. Eben genau nach diesem Eckstoß zirkelte Özil den Ball auf den Kopf von Per Mertesacker, der so den Ball mit der letzten Aktion des Spiels zum Endstand ins Wolfsburger Tor wuchtete und gleichzeitig die Bremer Serie von 21 Pflichtspielen ohne Niederlage rettete.

Aber weil sich der Titelträger schon beim 2:3 gegen den 1. FC Nürnberg vom Unparteiischen benachteiligt fühlte, folgerte Zvjezdan Misimovic: „Es ist auffällig, dass in spielentscheidenden Situationen nicht für uns entschieden wird.“ Waren die Proteste in der Vorwoche noch berechtigt, empfahl nicht nur Werders Vorstandschef Klaus Allofs mehr Distanz auf Wolfsburger Seite: „Das war keine Fehlentscheidung.“ Sicher war es ein gerechtes Ergebnis: Wolfsburg war über weite Strecken das passivere Team, Werder hatte am Ende 57 Prozent Ballbesitz, 24:8 Torschüsse und 45:16 Flanken auf seiner Seite. Allein aufgrund dieser Fakten war das Remis genau das richtige Resultat in einer Begegnung, in der Veh sein Ensemble personell und taktisch völlig neu formiert hatte. Die formschwachen Verteidiger Marcel Schäfer und Alexander Madlung raus, den jungen Fabian Johnson und den italienischen Weltmeister Andrea Barzagli rein, dazu beorderte Veh eine Doppel-Sechs mit Makoto Hasebe und Christian Gentner vor die Abwehr, die den gesperrten Kapitän Josué ersetzte. Ein neuer Mix, der meist funktionierte. „Wir haben ein richtig gutes Auswärtsspiel gemacht“, befand Veh. Vor allem in der Rückwärtsbewegung wirkte seine Elf verbessert, während bei Werder alte Fehler zum Vorschein kamen. „Es fehlte der Durchsetzungswille, das Tempo“, monierte Trainer Thomas Schaaf, „und wir haben nicht die richtige Balance zwischen Defensive und Offensive gehabt.“

Lange waren die Hanseaten ausschließlich nach Standards gefährlich – so fiel nicht nur das 2:2, sondern auch das zwischenzeitliche 1:1 durch Hugo Almeida im Anschluss an eine von neun Ecken. Allofs stimmte immerhin froh, dass seine Profis an diesem trüben Novembertag Willen zeigten, als der VfL Wolfsburg in Führung lag. Zweimal war das durch Edin Dzeko geschehen – beide Male vollstreckte der Bosnier in Weltklassemanier. Beim ersten Treffer setzte sich der 23-Jährige gegen Sebastian Boenisch und Naldo durch, beim zweiten verwertete er einen Steilpass von Karim Ziani. Die Bremer Gegenspieler sahen in diesen Szenen alles andere als meisterlich aus, weshalb Werders zurückgekehrter Kapitän Torsten Frings seinen Mitspielers empfahl, keine öffentlichen Titelgelüste mehr auszusprechen. „In dieser Phase von der Meisterschaft zu reden, ist leichtsinnig. Und Schwachsinn.“

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