Wolfsburg - Fulham 0:1 : Abpfiff nach 22 Sekunden

Der VfL Wolfsburg ist im Viertelfinale der Europa League am FC Fulham gescheitert. Nach der 1:2-Auswärtsniederlage vor einer Woche wurden die Hoffnungen auf ein Weiterkommen von den Engländern im Rückspiel schon frühzeitig zerstört.

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Europa League - VfL Wolfsburg - FC Fulham
Augen zu und raus. Sascha Riether scheitert mit VfL Wolfsburg an FC Fulham und Simon Davies. -Foto: dpa

Eine Woche lang hatten sie beim VfL Wolfsburg getüftelt und darüber gegrübelt, wie man das wohl anstellt. Wie man gegen den FC Fulham ruhig und gelassen eine 1:2-Niederlage aus dem Hinspiel vergessen macht. Aber nach nur 22 Sekunden war klar, dass einer unter ihnen einfach zu viel nachgedacht hatte. Jan Simunek ließ sich kurz nach dem Anpfiff in der Innenverteidigung auf eine Art und Weise austricksen, die man in einem Viertelfinale der Europa League wohl nur selten zu sehen bekommt. Der Tscheche hatte schon in der ersten Spielminute das Nachsehen gegen Fulhams Torjäger Bobby Zamora. Alle Pläne des Deutschen Meisters, im europäischen Fußball für Furore zu sorgen, konnten danach schon wieder zu den Akten gelegt werden.

Die Suche nach dem Gründen für die bittere 0:1 (0:1)-Heimniederlage muss natürlich bei Simunek beginnen, dem wenig bis gar nichts gelingen wollte. Aber das Ausscheiden der Wolfsburger und ihre ärgerliche Pleite gegen ein solides Londoner Team nur an dem verunsicherten Verteidiger festzumachen, wäre zu einfach. Die Wolfsburger boten vor 24.843 Zuschauern in jenem Moment, der immerhin ihr bisher größter Erfolg auf internationaler Ebene war, nur Enttäuschendes. Im Mittelfeld versäumte es Spielmacher Zvjezdan Misimovic, nach dem frühen Rückstand das Tempo zu erhöhen oder die Abwehr des FC Fulham als eigentlich durchschnittlich zu entlarven. Schlimmer anzusehen war aber noch, was der zuletzt so starke Edin Dzeko und Grafite im Sturm des VfL zu bieten hatten. Beispiel gefällig? Sekunden vor dem Halbzeitpfiff machte das frühere Traumduo der Wolfsburger eine gute Gelegenheit zunichte, indem der tölpelhafte Grafite seinen Kollegen Dzeko schlichtweg über den Haufen rannte.

Wolfsburg zwischen harmlos und tölpelhaft

Eigentlich wäre die Sache ganz einfach gewesen. Denn der FC Fulham, bei seinen internationalen Auftritten in des Gegners Stadion bisher harmlos, hatte wahrlich nichts Außergewöhnliches zu bieten. Und Mark Schwarzer, der sich als australischer Nationaltorhüter bei der Weltmeisterschaft in Südafrika der deutschen Nationalelf in den Weg stellen wird, offenbarte manche Unsicherheit. Der Mann, der im Trikot von Dynamo Dresden und dem 1. FC Kaiserslautern schon Erfahrung mit dem deutschen Fußball gesammelt hat, mag zwar gut im Zeitschinden und Bälle-Wegschießen sein. Aber seine Künste im Strafraum sowie auf der Torlinie waren kaum Furcht erregend. Trotzdem wussten die Wolfsburger bei ihren harmlosen Angriffsbemühung nicht, wie man das hätte für sich nutzen können.

Mit dem Aus in der Europa League darf für den VfL Wolfsburg eine Saison als gescheitert betrachtet werden, die nach dem überraschenden Meistertitel im vergangenen Sommer so viele schöne Möglichkeiten eröffnet hätte – zum Beispiel ein Halbfinale in der Europa League gegen den Hamburger SV. Aber die Patzer in der Hintermannschaft, die für das Aus im DFB-Pokal, so manche Pleite in der Bundesliga und das frühe Scheitern in der Champions League verantwortlich waren, zogen sich wie ein roter Faden durch die gesamte Spielzeit. Unter Felix Magath, dem Meistertrainer des VfL, hatte Jan Simunek noch überragende Auftritte in Serie hingelegt. Nach Monaten der Experimente, mit denen in dieser Saison fieberhaft nach einer Lösung für die Abwehrprobleme gesucht wurde, steht dem 23-Jährigen jetzt seine Nervosität permanent im Weg. Etablierte Stürmer wie Fulhams Zamora wissen so etwas gnadenlos ausnutzen. Manchmal sogar nach nur 22 Sekunden.

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