Sport : Wolfsburg - Kaiserslautern: Die Pfälzer retten den Pfälzer

Hartmut Scherzer

"Wichtig war", sagte Wolfgang Wolf, dass in den Tagen der Unruhe von außen "Präsidium und Manager hundertprozentig hinter mir gestanden haben und ich in Ruhe arbeiten konnte." Na ja, das sagen Trainer und Präsidium eigentlich immer, kurz vor der Entlassung eines Trainers. Weswegen es für Wolfs Verbleib als Coach des VfL Wolfsburg wohl wirklich wichtig war, dass seine Mannschaft, der Tabellenletzte, den 1. FC Kaiserslautern, den Tabellenersten besiegte. Und zwar verdient, weil beim 2:0-Sieg des durch Tore von Andrzej Juskowiak und Frank Greiner ein Leistungsunterschied nicht auszumachen war und Leidenschaft Selbstbewusstsein bezwang.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Die Konstellation vor dem Anpfiff hatte sich recht einseitig dargestellt: Der siebenmal sieglose Tabellenletzte gegen den siebenmal siegreichen Tabellenersten. Dem VfL-Trainer Wolfgang Wolf drohte die Entlassung. Der FCK-Teamchef stand vor einem einmaligen Startrekord. Aber da war eben Torhüter Claus Reitmaier im Wolfsburger Tor, und das war der Mann, der dem Glück des so oft glücklichen FCK diesmal vor allem in der ersten Halbzeit im Wege stand. Und weswegen Lauterns Teammanager Andreas Brehme hinterher den "vielen vergebenen Chancen" nachtrauerte. "Diesmal hatten wir viele Chance und nicht das Glück, dass wenigstens eine zum Tor führte", sagte Trainer Reinhard Stumpf launig.

Und so haben die Pfälzer, weiterhin die Nummer eins, wenn man so will, mit ihrer ersten Niederlage der Saison dem Landsmann in Wolfsburg den Trainerjob gerettet. 248 seiner 304 Bundeligaspiele hatte der Pfälzer Wolfgang Wolf, vergangene Woche 44 Jahre alt geworden, einst im Trikot des FCK absolviert. Nun, nach dem ersten Sieg, sind die Diskussionen um seine Zukunft als VfL-Trainer vorerst beendet. Mit einer Ausnahme waren die Lauterer mit der Formation angetreten, die zuletzt Hertha BSC so souverän mit 4:1 geschlagen hatte. Grammozis spielte für Basler auf der rechten Seite. Beim VfL fehlten die gesperrten Akonnor und Biliskov. Und Wolf brachte fünf neue Spieler: Kryger, Petrov, Müller, Karhan und Mittelstürmer Juskowiak, der nach seiner Wadenverletzung endlich wieder fit war. Aber nur anfangs war die Diskrepanz in der Tabelle zu sehen. Brehmes Mannschaft begann selbstbewusst, bemüht, das Spiel und den Gegner zu kontrollieren. Wolfsburg begann ängstlich und defensiv mit klarer Zuordnung nach dem Prinzip Mann gegen Mann: Greiner gegen Klose, Franz gegen Lokvenc, Kryger gegen Lincoln. Schnoor spielte Ausputzer. Viele Fouls, unter anderen von Greiner an Klose und von Kryger, der bald die Gelbe Karte sah.

Und dann kamen die Wolfsburger zu ihrem Tor und das Spiel drehte sich. Bei einem Freistoß von Munteanu und einem Kopfball von Juskowiak sah der sonst so zuverlässige lange Knavs schlecht aus. Die erste Chance und gleich ein Tor. "Das war wichtig, denn es hat uns Selbstvertrauen gegeben", sagte der zurückgekehrte Pole. Auf der anderen Seite vereitelte Reitmaier den Ausgleich mit tollen Paraden, so wie er vorher den Rückstand verhindert hatte. Zur Pause nahm Brehme zwei Auswechslungen vor, Basler für Strasser und - notgedrungen - Djorkaeff für Lincoln, der in den harten Zweikämpfen mit Kryger eine Rippenprellung erlitt. Ein Opfer Krygers wurde auch Nationalspieler Miroslav Klose, der im Laufduell so unglücklich am rechten Sprunggelenk getroffen wurde, dass er nicht nur vom Platz getragen, sondern zur Röntgenuntersuchung ins Krankenhaus gebracht wurde. Schlimm nicht nur für Andreas Brehme, sondern auch für Rudi Völler. Kaiserslautern spielte nach der Pause zwar überlegen, aber ohne Aufbäumen und ohne Raffinesse, um die hingebungsvoll kämpfenden Wolfsburger zu überwinden. Glänzend dirigiert von Munteanu war Wolfsburg durch Konter stets gefährlich. Einen davon schließlich verwandelte Greiner nach einer Flanke von Ponte zur Entscheidung.

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