Wolfsburg - Nürnberg : Kung-Fu auf fränkische Art

Wie das Spiel zwischen Wolfsburg und Nürnberg aus den Fugen geriet.

Christian Otto

Wolfsburg - Hinterher war von einer erstaunlichen Flughöhe die Rede. Alle gaben zu, dass sich ein Abwehrspieler in der Etage geirrt hatte. Was Andreas Wolf kurz vor Ende des Bundesligaspiels zwischen dem VfL Wolfsburg und dem 1. FC Nürnberg zu bieten hatte, hätte beim Fußball aus der Wertung und beim Kung-Fu eingeordnet werden müssen. Aber Schiedsrichter Markus Schmidt (Stuttgart) hatte den Tritt von Wolf in das Gesicht von VfL-Stürmer Edin Dzeko nicht einmal als Foul geahndet. „Man hätte wohl Gelb geben können“, sagte der Nürnberger Verteidiger Dominic Maroh und grinste. Aber dieser Tritt in das Gesicht des Gegners war nicht zum Lachen.

Es gab zwei Varianten, sich über die falsche Einschätzung des schwachen Schiedsrichters zu ärgern. Wolfsburgs Trainer Armin Veh war außer sich vor Wut, weil er sich in der Schlussphase eines Spiels, das mit 2:3 noch verloren ging, um einen Vorteil gebracht sah. Beck war mit einer Gelben Karte vorbelastet und wäre mit einer weiteren Verwarnung dieser Art in der 89. Minute gut bedient gewesen. Die Mehrheit der verblüfften 28 736 Zuschauer war wohl eher verärgert über die Tatsache, dass Wolf mit seiner Kampfsporteinlage die Gesundheit seines Kollegen gefährdet hatte. Auf die Frage, ob sich Deutschlands Profifußballer nach dem Tod von Robert Enke künftig mit mehr Respekt und Besonnenheit begegnen, gab es in Wolfsburg schmerzhafte Antworten. Neun Gelbe Karten zeigte der überforderte Referee. Drei Platzverweise, die er nicht aussprach, wären angemessen gewesen.

Es sprach für Michael Oenning, dass er seinen Kapitän für schuldig befand. „Die Bilder sprechen für sich“, sagte der Nürnberger Trainer und zeigte sich reumütig, noch ehe die Zeitlupen vom hässlichen Tritt Abschluss einer turbulenten Partie gezeigt werden konnten. Wolf war in der Nachspielzeit ein Teil jenes frechen Nürnberger Ensembles geblieben, das den Meister im eigenen Stadion demütigte. Einen Konter der Nürnberger, als die Wolfsburger selbst ihr drittes Tor schießen wollten und nur noch Sascha Riether als Verteidiger hinten postierten hatten, schlossen die Gäste mit vier Angreifern ab. Peer Kluge schob Sekunden vor dem Abpfiff souverän ein. Dass Dzeko gesund, aber leicht geschockt in die Kabine schlich, ging im allgemeinen Trubel unter. Christian Otto

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