Wolfsburg - Schalke 2:1 : Meister schlägt Meistertrainer

Der VfL Wolfsburg beendet seine Negativserie durch einen Sieg gegen die von Felix Magath trainierten Schalker. Grafite dreht das Spiel mit zwei Treffern in der zweiten Halbzeit.

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Wolfsburg's Grafite scores against Schalke 04's Neuer during the German Bundesliga soccer match in Wolfsburg
Mit Köpfchen. Schalke-Torwart Manuel Neuer schlägt am Ball vorbei und so hat Wolfsburgs Grafite leichtes Spiel, zum 1:1...Foto: Reuters

Der kleine, grauhaarige Mann, der kurz nach dem Schlusspfiff auf das Spielfeld gestürmt war, hatte sein Ziel schnell erreicht. Das Bedürfnis von Lorenz-Günther Köstner, vor allem seinen treffsicheren Stürmer Grafite in die Arme zu schließen, muss erstaunlich groß gewesen sein. Der ausgelassene, fast wilde Jubel eines Trainers, den der VfL Wolfsburg für den Übergang engagiert hat, kannte nach dem 2:1 (0:1)-Heimsieg gegen den FC Schalke 04 keine Grenzen. „Der Mut war wieder da. Und das Herz auch“, sagte Köstner, dessen Team nach zehn vergeblichen Versuchen wieder einen Erfolg in der Bundesliga bejubeln durfte. Grafite beendete mit seinen Toren in der 71. und 77. Minute die Misere des Meisters, der sich nach Pleiten in Serie zuletzt sogar den Abstiegsrängen angenähert hatte.

Das Jubeln, Feiern und Gewinnen hatten sie fast schon verlernt. Und auch in der Partie gegen die aufstrebenden Schalker sah es lange Zeit nicht nach einem niedersächsischen Erfolgserlebnis aus. Trainer Felix Magath hatte bei seiner mit Applaus bedachten Rückkehr an jenen Ort, an dem er im Sommer 2009 noch den großen Überraschungstitel mit dem VfL gewonnen hatte, das Schalker Team taktisch bestens eingestimmt. Bis zu sieben Defensivspieler waren regelmäßig um das Wolfsburger Sturmduo Grafite und Edin Dzeko herumgelaufen, wenn es in der eigenen Hälfte ernst wurde. Und der Versuch, die Offensive des Gastgebers auszuschalten sowie selbst zu kontern, ging auch lange Zeit auf. Nach einem Eckball von Ivan Rakitic hatte der starke Kevin Kuranyi nach einer halben Stunde sein 12. Saisontor erzielt. Der schöne Treffer per Kopf hatte allerdings übertüncht, dass sich die Wolfsburger schon im 1. Durchgang mehr Spielanteile und Chancen erkämpft hatten. Mit einem weiteren Kopfball, den Jan Simunek noch von der Linie befördern konnte, hätte Kuranyi kurz vor Halbzeitpause das 2:0 für Schalke erzielen können. Aber sein Versuch war zu lasch ausgefallen. Und danach verfielen die Schalker in eine merkwürdige Lethargie, die sie um wichtige Punkte brachte.

Große Genugtuung im Kreise der Wolfsburger Spieler

Die Genugtuung im Kreise der Wolfsburger Spieler, es dem ehemaligen Trainer so richtig gezeigt zu haben, war nicht zu übersehen. „Wir haben heimlich mit Medizinbällen trainiert“, sagte Verteidiger Marcel Schäfer mit einem Augenzwinkern. Entscheidender dürfte gewesen sein, dass Grafite heimlich, still und leise zu seiner alten Stärke zurückgefunden hat. Seinen beiden Treffern in der Europa League, als er die Wolfsburger am Donnerstag zu einem 2:2 beim FC Villarreal geschossen hatte, ließ er in der Bundesliga zwei weitere Tore folgen, die vor allem Magath ärgerten. Bei dem Versuch, auch mit dem FC Schalke 04 bis an die Spitze der Tabelle vorzustoßen, wurde der Erfolgstrainer ausgerechnet von seinem früheren Liebling gebremst. „Ich freue mich für Grafite, dass er wieder trifft. Aber er hätte damit ruhig noch ein paar Tage warten können“, sagte Magath.
Zu denen, die mit dem Schlusspfiff die Arme erleichtert hochgerissen hatten, gehörte auch Dieter Hoeneß. Dem neuen Chef der Wolfsburger Geschäftsführung war die Freude über den ersten Sieg unter seiner Regie deutlich anzumerken. „Die Jungs haben sich wieder als Mannschaft präsentiert und mit einem Sieg belohnt“, sagte Hoeneß. Wie es sich für einen Routinier gehört, versäumte er es auch nicht, dem von ihm ausgewählten Trainer den Rücken zu stärken. „Das hat sich der Lorenz verdient. Das haben sich alle verdient“, meinte Hoeneß.

Zur Verblüffung aller Beteiligten verzichtete Köstner aber darauf, den Lorbeer für diesen Sieg vor 30.000 Zuschauern selbst zu ernten. „Ich kann doch noch gar nicht sagen, dass das meine Mannschaft ist. Die hat doch Felix Magath geformt“, sagte der Wolfsburger Trainer. Seine Worte klangen wie eine Verneigung vor dem Mann, der ihn einst als Trainer der Drittligamannschaft zum VfL geholt hatte.

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