Wolfsburg zu Gast : Wer zu spät kommt, den bestrafen die Eisbären

Die Berliner besiegen verspätet angereiste Wolfsburger mit 4:3. Erst mit einer 45-minütigen Verspätung konnte die Partie in der Berliner Großarena beginnen.

Katrin Schulze

Wolfsburg – Berlin. Das ist eigentlich keine unüberwindbare Distanz. Zweieinhalb Stunden mit dem Auto oder, etwas bequemer, eine gute Stunde mit dem Zug. Kein Problem also. Oder doch? Immerhin benötigte die in Wolfsburg ansässige Eishockeymannschaft am Freitag fast fünf Stunden für diese Strecke. Ein Stau auf der Autobahn behinderte die Anreise des EHC zu seinem Spiel bei den Eisbären Berlin, das daraufhin erst mit einer gut 45-minütigen Verzögerung begann. Den Gastgebern war’s egal – sie gewannen auch gegen verspätete Wolfsburger 4:3 (2:0, 1:0, 1:3).

Die niedersächsische Pünktlichkeits- Panne war das eine. Eine andere Kuriosität des durchaus amüsanten Abends ereilte den Berliner Sven Felski, der seinen Frühstücksbedarf seit gestern bis auf weiteres gedeckt haben sollte. 200 Becher eines Nuss-Nougat-Aufstrichs und 300 Scheiben Toastbrot bekam der Eisbären-Angreifer vor der Partie für ebenso viele Tore und Vorlagen in der Deutschen Eishockey-Liga. Felski bedankte sich dafür auf seine ganz eigene Art: Nach 87 gespielten Sekunden passte er den Puck so genau zu seinem Kollegen Andy Roach, dass der ihn nur noch mit einem kleinen Impuls zum 1:0 ins Tor lenken musste. Schon acht Minuten später erhöhte Chris Hahn dann auf 2:0 für die Berliner, was den Eisbären-Anhängern unter den 13 700 Zuschauern hörbar Vergnügen bereitete. „Wolfsburg, steht ihr immer noch im Stau?“, hallte es von den Rängen.

Nein, zumindest körperlich war der EHC Wolfsburg anwesend, hatte den starken Eisbären zunächst allerdings nicht wirklich viel entgegensetzen. Der dezimierte Kader, mit dem die Mannschaft von Don Jackson seit einiger Zeit kämpft, beeinträchtigt ihre Spielfreude nicht. Angreifer Florian Busch agierte diesmal angesichts der Personalnot sogar als eine Art Verlegenheitsverteidiger. Wichtiger als diese Rotation war für den 24 Jahre alten Bayer allerdings eine Botschaft aus der Schweiz, die er vor der Begegnung erhielt. Dass seine vom Sportgerichtshof Cas verhängte Sperre wegen einer verweigerten Dopingprobe aufgehoben ist, stand ja schon länger fest. Nun begründete das Schweizer Bundesgericht seine Entscheidung mit einem Verfahrensfehler – er verneinte die Zuständigkeit des Cas, womit Busch künftig wohl auch wieder für eine Beschäftigung im Nationalteam infrage kommt.

Gestern spielte sich der gelernte Stürmer in der Berliner Abwehr noch nicht in den Vordergrund, aber er hatte prominente Vertreter. Travis James Mulock zum Beispiel, der im Mittelabschnitt erst lässig zum 3:0 einschoss und danach in den letzten 20 Minuten auch den vierten Berliner Treffer erzielte.

Dass die Wolfsburger im Schlussdrittel doch noch aufwachten und durch John Laliberte und Mike Green, der zweimal traf, auch zu Toren kamen, war ein netter Zug der Gastgeber. Mehr aber nicht. Denn ansonsten begnügte sich der Besuch aus Niedersachsen mit einer engagierten, aber letztlich ziemlich ineffektiven Spielweise. Die unpünktlichen Wolfsburger erwiesen sich am späten Freitagabend eben einfach als gute Gäste. Ehe sie ihre lange Reise gen Heimat antraten.

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