Wolfsburg : Zukunft von Ausleihprofi D'Alessandro ungewiss

Beim VfL hat man die Millionen-Investition Andres D'Alessandro noch nicht ganz abgeschrieben. Eine Rückkehr in die Bundesliga schließt der Argentinier aber aus, der derzeit an Real Saragossa ausgeliehen ist.

Wolfsburg/Saragossa - Andres D'Alessandro galt als Ausnahmekönner. Mit ihm sollte 2003 beim VfL Wolfsburg eine goldene Champions-League-Zukunft beginnen. Dass er ein Hochbegabter ist, machten die ersten Auftritte in der Bundesliga schnell deutlich. Zeitweise stand der Argentinier mit dem VfL sogar auf Platz eins. Doch statt Glanz und Glamour eines Weltklasse-Spielers gab es in Wolfsburg vor allem Enttäuschung über einen Neun-Millionen-Euro-Irrtum und bei den Fußball-Genießern Trauer über ein vergeudetes Talent, das derzeit an Real Saragossa ausgeliehen ist.

Der kleine Techniker legte einige große Auftritte hin und erhielt teilweise glänzende Kritiken - so wie in diesem Jahr der Bremer Diego. Inzwischen scheint es aber nur noch darum zu gehen, dass sich der Schaden aus dem Kauf des teuersten Spielers der Vereinsgeschichte in Grenzen hält. Äußerst unwahrscheinlich ist es, dass der brillante Ballzauberer seinen bis 2008 laufenden Vertrag beim VfL erfüllt, der per Option sogar bis 2010 verlängert werden kann. Auch wenn VfL-Manager Klaus Fuchs eine Rückkehr in die Bundesliga nicht kategorisch ausschließen will und sagt: "Von uns aus ist die Tür nie zu gewesen."

"Er ist ja jetzt da, wo er immer hin wollte."

Zum zweiten Mal ist D'Alessandro jetzt ausgeliehen. Nachdem der englische Premier-League-Club FC Portsmouth nach einem fünfmonatigen Gastspiel den Kauf für 6,5 Millionen Euro abgelehnt hatte, besitzt nun Real Saragossa bis April 2007 für geschätzte fünf Millionen Euro das Zugriffsrecht. "Schwer zu sagen, was passiert", erklärt Fuchs. "Die Bereitschaft des Spielers, zurückzukehren, tendiert scheinbar gegen null. Es ist die Frage, ob er sich in Spanien einen Markt schafft. Er ist ja jetzt da, wo er immer hin wollte."

Der eigenwillige Spieler, den der große Diego Maradona einst als seinen legitimen Nachfolger eingestuft hatte, verspürt tatsächlich wenig Interesse an einer Rückkehr in die niedersächsische Provinz. "Saragossa hat mich sportlich wieder zum Leben erweckt", sagte er vor einigen Wochen in einem Interview mit dem spanischen Sportblatt "As". Beim Tabellenfünften hat er sich durchgebissen. Er war in 15 von 16 Ligaspielen dabei, oftmals aber als Ein- oder Auswechselspieler.

"Eine Ewigkeit" in der Bundesliga

"Ich spüre, dass ich Teil eines ehrgeizigen Projekts bin und dass man hier wirklich etwas gewinnen will. In Wolfsburg hatte man den Aufbau eines Teams angekündigt, das in der Bundesliga oben mitspielen sollte. Aber das Versprechen hat man nicht wahr gemacht", sagte D'Alessandro. Die zweieinhalb Jahre in Wolfsburg mit 61 Bundesliga-Einsätzen bezeichnete der 25-Jährige als "eine Ewigkeit".

Warum es nicht geklappt hat in Wolfsburg? "Nicht alle in der Mannschaft waren bereit, seine Klasse zu unterstützen", gibt VfL-Manager Fuchs zu. Das sei anders als jetzt bei Diego in Bremen: "Der hat den Vorteil, dass er in eine intakte Mannschaft kam." Zudem hetzte der argentinische Verband den Mittelfeldspieler über den Globus, forderte den Junioren-Weltmeister immer wieder für Spiele in Südamerika an. Zum Sprung in das WM-Team reichte es aber nicht.

Fuchs hatte zuletzt keinen Kontakt zu dem dickköpfigen Profi. "Ich schaue mir Spiele von ihm im Fernsehen an und werde in der Rückrunde nach Spanien fahren, um ihn zu beobachten. Das habe ich letzte Saison in England auch gemacht", sagt Fuchs. Schließlich ist D'Alessandro ein Investment, dass der VfL noch nicht abgeschrieben hat.

(Von Michael Rossmann und Hubert Kahl, dpa)

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