Wong Choong Hann : Badminton vom anderen Stern

Von Peking nach Berlin: Ein Malaysier in Diensten des SG Empor mischt die Badminton-Bundesliga auf.

Karsten Doneck
248305_0_61b2af1a.jpeg
Flink auf den Beinen. Wong Choong Hann dominiert in der Bundesliga. Foto: AFP

Berlin - Die Interessenten stehen schon Schlange. Dänische Klubs sind darunter, französische und spanische ebenso. Objekt der Begierde ist ein Badmintonprofi aus Malaysia, 31 Jahre alt. Sein Name: Wong Choong Hann. Der spielt gewöhnlich auf Weltklasseniveau – und seit dieser Saison überraschend in der Bundesliga, und zwar in Berlin bei der SG Empor Brandenburger Tor. Das soll noch eine Weile so bleiben. „Ich denke, wir werden uns für die nächste Saison noch mal mit ihm einigen, je früher desto besser“, sagt Manfred Kehrberg, Abteilungsleiter bei der SG Empor. Dort weiß man nur zu gut, welchen Wert dieser Spieler, der im Einzel und im Doppel eingesetzt wird, für die Mannschaft besitzt. „Den kann in der Bundesliga keiner schlagen“, sagt Kehrberg.

Wong Choong Hann war 2003 Vizeweltmeister im Einzel. Bei den Olympischen Spielen in Peking schaltete er den Olympiasieger von 2004, Taufik Hidayat aus Indonesien, zwar in zwei Sätzen aus, scheiterte dann aber in der Runde der letzten 16 an Hsieh Yu-Hsin. Wong gab hinterher zu Protokoll, er sei „ein bisschen enttäuscht, mein Ziel war schließlich, eine Medaille zu gewinnen“.

Vom olympischen Peking in die eher beschauliche Badminton-Bundesliga: Für Wong Choong Hann ein großer Schritt. Kontakte zur SG Brandenburger Tor gab es schon länger. 2007 erhielt er das erste Angebot des Berliner Klubs. Er lehnte ab. Die Vorbereitung auf Olympia war ihm wichtiger. Wenn aber Manfred Kehrberg einen Spitzenspieler verpflichten will, kann er sehr hartnäckig sein. Und ein erstes Scheitern von Verhandlungen treibt den Rechtsanwalt längst noch nicht in die Resignation. Im März 2008 bei den Swiss Open in Basel gab es den nächsten Annäherungsversuch – diesmal ein erfolgreicher.

Wong Choong Hann fehlte der SG Empor in den ersten Saisonspielen. Die liefen dann auch eher leidlich. Zwei Niederlagen, ein Unentschieden – das war die magere Ausbeute für eine Mannschaft, die sich zum Ziel gesetzt hat, in dieser Saison Deutscher Meister zu werden. Doch hinter Wongs Abwesenheit steckte ein triftiger Grund. Seine Ehefrau erwartete zu der Zeit das zweite Kind, Wong wollte bei der Geburt unbedingt dabeisein. Als das Kind auf der Welt war, flog Wong Choong Hann nach Berlin. Bei seinem Bundesliga-Debüt Mitte Oktober hatte die SG Empor gerade den BV Gifhorn zu Gast – und siegte locker 8:0. Nicht mal einen Satz gaben die Berliner dabei ab.

Und, was noch viel wichtiger war als das Ergebnis: Der Star fügte sich bar aller Allüren ins Team ein. „Er ist ein Typ wie du und ich, ein absoluter Kumpel“, sagt Kehrberg. Seither gilt Wong Choon Hann als fleißiger Punktesammler für die SG Empor. Dass sich die Mannschaft als Meisterschaftsfavorit derzeit eher quält, überhaupt den Play-off-Platz zu erreichen, liegt wahrlich nicht an der Nummer eins, sondern zum Teil auch am Verletzungspech im Team. Es klingt fast etwas unterwürfig, wenn Wong Choong Hann feststellt: „Ich werde etwas Zeit brauchen, um mich an die Bundesliga zu gewöhnen.“

Dass sich ein Verein aus der Badminton-Bundesliga einen solchen Ausnahmespieler finanziell überhaupt leisten kann, liegt an einer Art Kosten-Sharing. Der Deutsche Badminton-Verband (DBV) bezahlt dem Malaysier zusätzlich etwas Geld dafür, dass er im Leistungszentrum in Saarbrücken dem Verband als Sparringspartner für seine Spitzenspieler zur Verfügung steht. Außerdem ist Wong viel auf Turnieren in Europa unterwegs, finanziert sein Badminton-Dasein über die Preisgelder. Und hinter ihm stehen daheim in Malaysia auch noch ein paar Sponsoren. Für das Geld gibt Wong Choong Hann auch einiges zurück. Kehrberg schwärmt: „Der spielt Badminton wie von einem anderen Stern.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar