Sport : Worauf es ankommt

Philipp Köster

Am Mittwochabend war ich sehr gerührt. Ich saß im Hampden Park in Glasgow beim spanischen Uefa-Cup-Finale zwischen dem FC Sevilla und Espanyol Barcelona. Es war ein schönes Spiel mit dramatischem Verlauf und Elfmeterschießen. Als am Ende Sevilla gewonnen hatte und die traurigen Spieler von Espanyol mit hängenden Köpfen auf dem Spielfeld standen, dröhnte es plötzlich aus der Fankurve des FC Sevilla laut und enthusiastisch: „Espanyol, Espanyol“. Die Anhänger des Siegers feierten den Verlierer. Es war eine Geste des Sportsgeistes, es war die Botschaft: „Es war ein großer Abend, den wir zusammen verbracht haben.“

Es gibt solche Momente leider viel zu selten, auch in Deutschland. Jene Momente, in denen uns bewusst wird, warum wir eigentlich ins Stadion gehen. Nicht, weil wir am Ende der Saison unbedingt einen Pokal hochhalten wollen, nicht weil wir unbedingt und immer gewinnen wollen. Sondern weil wir uns und unsere Sehnsüchte in den Spielern wiederfinden. Das Spiel auf dem Rasen ist für uns Anhänger am Ende eine große Metapher auf das Leben an sich, mit all seinen Siegen und Niederlagen. Und deshalb ist es uns auch so wichtig, dass unsere Spieler auf dem Platz anständig bleiben. Dass sie gewinnen wollen, aber nicht mit schmutzigen Tricks, nicht mit geschundenen Elfmetern und versteckten Fouls. Und dass sie im Falle der Niederlage Haltung bewahren.

In Deutschland ist dieser Anstand ein wenig aus der Mode geraten. Ich kann mich an kaum ein Bundesligaspiel der letzten Jahre erinnern, in dem nicht zweimal pro Spiel versucht wurde, einen Elfmeter zu schinden, und Spieler nach harmlosen Fouls am Boden lagen, als ginge es zu Ende mit ihnen. Leider sind wir Anhänger auch daran schuld. Weil wir vor allem Siege feiern, bei Niederlagen schnell den Kopf des Trainers fordern, auch geschundene Elfmeter bejubeln. Und dabei vergessen, worauf es wirklich ankommt.

Sevillas Fans haben sich am Mittwochabend daran erinnert.

schreibt an dieser Stelle im Wechsel mit Stefan Hermanns.

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