World Cup im Bogenschießen : Zielsichere Athleten am Anhalter Bahnhof

Ab Mittwoch findet in Berlin der Weltcup im Bogenschießen statt. Olympia-Medaillengewinnerin Lisa Unruh ist auch dabei.

Historische Kulisse. Auf dem Lilli-Henoch-Sportplatz am Anhalter Bahnhof findet am Wochenende das Finale des Weltcups im Bogenschießen statt.
Historische Kulisse. Auf dem Lilli-Henoch-Sportplatz am Anhalter Bahnhof findet am Wochenende das Finale des Weltcups im...Foto: Helena Wittlich

Silberne Platten verdecken Teile des Kunstrasens des Lilli-Henoch-Sportplatzes in Kreuzberg. Dort, wo sonst Fußballklub BSV Al-Dersimspor seine Heimspiele austrägt, entsteht eine kleine Arena. Einige Tribünen stehen schon. Und ein blaues Plakat am Zaun des Platzes verrät den Vorbeilaufenden, was hier in ein paar Tagen stattfinden wird.

Der Lilli-Henoch-Sportplatz ist Austragungsort des World-Cup-Finales im Bogenschießen, der ab Mittwoch in Berlin stattfindet. Bis zu 2 000 Zuschauer sollen dann hier die Athleten anfeuern. Die Qualifikation mit rund 350 Teilnehmern aus 50 verschiedenen Ländern findet allerdings auf dem Maifeld am Olympiastadion statt – aus Platzgründen. Das Finale zieht dann in Richtung Innenstadt.

Die Wahl fiel dabei auf den Lilli-Henoch-Platz, weil er einer der wenigen Plätze ist, die lang genug für die Wettkämpfe seien, sagt der Deutsche Schützenbund. Denn teilweise zielten die Schützen aus einer Entfernung von über 70 Meter. Viele Sportplätze seien gar nicht so lang.

Die Athleten treten in zwei Disziplinen an

Während der Bogen bereits vor 14  000 Jahren zur Jagd genutzt wurde, entwickelte sich im 16. und 17 Jahrhundert in England daraus ein Sport. Bereits im Jahr 1900 durften die Bogenschützen an den Olympischen Spielen teilnehmen – 1904 durften sogar Frauen antreten. Nach 1920 verschwanden die Bogenschützen von der olympischen Bühne und kehren erst bei der Olympischen Spielen 1972 zurück. Erst dann wurden die Regeln des internationalen Bogenschützen-Verband FITA anerkannt.

Beim Weltcup Bogen treten die Schützen nicht nur in der Olympischen Disziplin des Recurvebogen, die klassischen Form des Bogens, an. Recurve bedeutet übersetzt zurückgebogen, denn typisch für ihn sind die die zurückgebogene Wurfarme. Auch Wettkämpfe in der Disziplin Compoundbogen, einer moderne Form des Bogens, stehen an. Dieser wird ganz individuell an den Schießenden angepasst und lässt so sehr präzise Schüsse zu.

Einfach wird es nicht werden

Berlin ist in diesem Jahr zum ersten Mal Austragungsort des Internationalen Wettkampfes. Mit dabei: Die Berlinerin Lisa Unruh. Sie gewann 2016 in Rio olympisches Silber, es war die erste Einzelmedaille für einen deutschen Bogenschützen überhaupt. Ihr Erfolg machte das Bogenschießen in Deutschland populär. Bei den World Games in diesem Jahr in Breslau holte sie mit dem Recurvebogen Gold. Neben Unruh treten 15 weitere deutsche Athleten bei dem Heimspiel in Berlin an, darunter Florian Kahllund, der 2016 als Rekordhalter im Recurve-Bogenschießen ins Jahr startete und dann die Olympia-Qualifikation für Rio knapp verpasste.

Einfach wird es laut Bundestrainer Oliver Haidn in der Qualifikation nicht werden. „Alle wollen und kommen nach Berlin, egal mit welchem Kollegen ich gesprochen habe“, erzählte er nach dem letzten Weltcup in Antalya. Dort waren die deutschen Frauen im Mannschaftswettbewerb nach China und Japan auf dem dritten Platz gelandet. Für Einzelerfolge hatte es nicht gereicht.

Nach dem offiziellen Training am Dienstag beginnen morgen die Qualifikationsrunden in den Einzel- und Mannschaftsdisziplinen. Zuschauer auf dem Maifeld sind willkommen, der Eintritt ist frei. Im Finale in Kreuzberg geht es dann um die Plätze eins bis vier. Hier kosten die Karten 15 Euro, ermäßigt 13 Euro. Bogensportfans, die es nicht bis nach Berlin schaffen, können das Spektakel sogar im öffentlich-rechtlichen Fernsehen anschauen. ARD und ZDF übertragen an beiden Finaltagen.

Ob Lisa Unruh ihre Erfolge auf heimischen Boden wiederholen kann? Zumindest der Wetterbericht verspricht Sonne und eine klare Sicht. Ein Dach hat die neue Arena auf dem Lilli-Henoch-Sportplatz für diese Deutschland-Premiere nämlich nicht bekommen. Und abgebaut wird es übrigens so schnell nicht: Ab Freitag kommender Woche finden dort die Zuschauer bei der EM im Blindenfußball Platz.

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