Sport : Worte statt Taten

Der VfL Wolfsburg galt einmal als Überraschungsteam der Liga – nun macht sich Enttäuschung breit

Mathias Klappenbach[Wolfsburg]

Es war kurz vor der Halbzeit, als Martin Petrow aus Versehen einen weiten Pass ins Seitenaus schlug. Der VfL Wolfsburg lag zu diesem Zeitpunkt 0:1 gegen den FC Bayern München zurück. Petrow klatschte in die Hände und wollte seine Teamkollegen aufmuntern, doch nur Abwehrchef Kevin Hofland antwortete auf dieses Zeichen, indem er ebenfalls seine Nebenleute anfeuerte. Die anderen reagierten so, wie sich Wolfsburg zurzeit präsentiert: leblos.

„Es ist eine gute Frage, ob man mit diesen Spielern erfolgreich arbeiten kann oder neue braucht“, sagte Wolfsburgs Trainer Erik Gerets nach der 0:3-Niederlage gegen den FC Bayern München deprimiert. Dabei arbeitet Gerets mit den gleichen Spielern, die in der Vorrunde achtmal an der Tabellenspitze standen. Nach Jahren des Mittelmaßes schien die Vorgabe des Geldgebers Volkswagen, bis 2007 in der Champions League zu spielen, vorzeitig Wirklichkeit zu werden. Doch dann gewannen die Wolfsburger kaum noch. Auch nach der Winterpause gab es schon sieben Niederlagen, im Moment reicht es nicht einmal für einen UI-Cup-Platz.

„Sicher haben wir ein Problem mit der Einstellung“, sagt Kevin Hofland, „hier muss jeder auch selbstkritisch sein.“ Doch gerade diese Fähigkeit scheint vielen Spielern in Wolfsburg abzugehen. Gegen den FC Bayern setzte Gerets den argentinischen Nationalspieler Andres D’Alessandro zunächst auf die Bank, offiziell wegen seiner schwachen Leistungen. Die scheinen bei dem Spielmacher in mangelnder Disziplin begründet. In Wolfsburg wird dem lustlos auftretenden Argentinier nachgesagt, dass er seinen Verkauf an einen anderen Verein provozieren will. Bei Wolfsburg ist er noch bis 2008 unter Vertrag.

Die Launen des Stars alleine sind noch keine Erklärung für die vielen individuellen Fehler, die den meisten Gegentoren der Wolfsburger vorausgehen. „Das ist eine Kopfsache“, sagt Hofland. Seit Wochen wird viel geredet im beschaulichen Wolfsburg, wo harte Konsequenzen für einzelne Spieler bislang ausblieben. Jede Woche wird auf Besserung gehofft, jede Woche sollen den Worten endlich Taten auf dem Platz folgen. Und jede Woche kann niemand erklären, warum es nicht klappt. Als der Niederländer Hofland nach der erneuten Niederlage gerade gehen wollte, wurde er in die Kabine zurückgerufen. Der Mannschaftsrat trat zu einer spontanen Krisenbesprechung zusammen. Es musste geredet werden.

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