Sport : Wozu braucht man beim Höhentraining eine Zentrifuge?

Ernst Podeswa

Die Zweifel wachsen. Weil der in zwei Dopingproben positiv mit Nandrolon getestete 5000-m-Olympiasieger von 1992, Dieter Baumann (Tübingen), eingestand, eine Handzentrifuge und Zubehör zu benutzen. Das wurde durch den Luxemburger Jean-Pierre Ernzen bekannt, der dies während eines Höhentrainingslagers in Flagstaff (USA) beobachtet hatte. Die Zentrifuge dient dazu, festzustellen, ob man beim Dopen mit Epo nicht über den zulässigen Hämatokrit-Grenzwert gelangt ist. Dass dieser Fakt nicht gerade zugunsten des 34-Jährigen spricht, kann er nicht nachvollziehen. Da die Zentrifuge ja nichts mit Nandrolondoping zu tun habe. Die Messungen der Blutwerte sei bei Höhenaufenthalt "durchaus sinnvoll", erklärte Baumann gegenüber der "Welt", was dessen Vertrauensarzt Albert Dickhuth (Tübingen) in der SW-Sportsendung bestätigte.

Einem früheren Nationalmannschafts-Kollegen aber kommt die Sache "merkwürdig" vor. "Ich habe noch nie einen Läufer in einem Höhenlager damit hantieren sehen", sagt Volkmar Scholz, mehrfacher Deutscher Meister im Gehen vom BSV 92 (vormals OSC). "Und ich habe auch noch nie davon gehört, dass bei einem Höhentraining die kritischen Werte übertroffen würden. Dann müsste ja Höhentraining auch gleich mit auf der Dopingliste stehen."

Für den Berliner ist auch die Version von der fremdmanipulierten Zahnpastacreme "wenig glaubwürdig". Dass die Speicheldrüsen durch Zahnpflege so viel Nandrolon, wie bei Baumann nachgewiesen, aufnehmen würden, halte er "für sehr fraglich". Baumann-Berater Professor Werner Franke (Heidelberg) hatte argumentiert, dass die Einnahme von Nandrolon für den Ausdauerbereich keinen Sinn machen würde. "In der Praxis schon", widerspricht Scholz. "Nandrolon verkürzt die Regenerationszeit der Muskeln und baut Fett ab. Man kann also ein hartes Trainingsprogramm besser verkraften. Ausdauersportler nehmen weitaus geringere Dosierungen als Gewichtheber oder Werfer." Baumann könnte sich in so einer Trainingsphase befunden haben, denn er wollte bei den zurückliegenden Cross-Europameisterschaften in Slowenien starten.

Wie Baumann ist auch Jens-Peter Herold vom Jahrgang 1965. Doch der Olympia-Dritte über 1500 m (1988) hat seine Karriere längst beendet. Bestzeit mit 3:32,77 Minuten lief der Potsdamer, der in Wuthenow bei Neuruppin lebt, 1992 im Alter von 27 Jahren. Die Weltrekordler Said Aouita (Marokko) und Noureddine Morceli (Algerien) hatten ihre schnellsten Rennen mit 26 bzw. 25 Jahren. Der 5000-m-Europameister von 1982, Thomas Wessinghage, war über 1500 m mit 28 Jahren sportlich im Zenit. Baumann ist mit 32 Jahren Hausrekord gelaufen und hat sich über 5000 m fünf Jahre nach seinem Olympiasieg noch um fast 20 Sekunden gesteigert. "Wie er das gemacht hat, obwohl er seit 1986 als Spitzenmann im Geschäft ist - darüber habe ich mich schon gewundert", bleibt Herold zurückhaltend.

Dagegen hat das Boulevardblatt "BZ" aufgelistet, gegen welche Gesetzesparagraphen der Dopingverdächtige möglicherweise verstoßen habe: falsche eidesstattliche Versicherung, falsche Verdächtigung, Vortäuschung einer Straftat, Betrug, Besitz und Einfuhr von Drogen ...

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