Sport : Wozu eine Bühne ohne Stars?

Dem deutschen Tennis sind nur noch wenige internationale Turniere geblieben

Friedhard Teuffel

Berlin - Wenn die besten Tennisspielerinnen der Welt in diesem Jahr von einem Turnier zum nächsten reisen, kommen sie höchstens noch einmal nach Deutschland. Ende April findet in Stuttgart das einzige international bedeutende Frauenturnier statt, und es könnte eine Art Gedächtnisturnier werden für eine gestorbene Tennistradition.

Seit dieser Woche ist schließlich das vorletzte Frauenturnier aus dem Kalender verschwunden, die German Open in Berlin. Zuvor hatten sich schon andere große Turniere verabschiedet, allen voran Hamburg, aber auch Leipzig oder Hannover.

Der Rückzug des Tennis in Deutschland scheint gerade unaufhaltsam. Nur noch ein Frauenturnier und fünf große Männerturniere, so wenige Bühnen sind dem Tennis in Deutschland geblieben. Das Ende der German Open wird die Spielerinnen-Organisation WTA wohl nutzen, um ihren Turnierkalender etwas luftiger zu gestalten oder um die Lizenz für das Turnier nach Warschau zu verkaufen. Die Chancen, dass Berlin das Turnier noch einmal zurückbekommt, sind jedenfalls verschwindend gering.

Vor einigen Jahren, als Steffi Graf noch spielte, warf das Turnier einen Gewinn von mehr als zwei Millionen Mark ab. So viel ist Tennis in Deutschland längst nicht mehr wert. Anfang des Jahrzehnts wurde aus dem Gewinn ein Verlust von einer Million Euro. „Ohne einen lokal ansässigen Großsponsor ist so ein Turnier nicht auszurichten“, sagt Ulrich Kroeker, der für Finanzen zuständige Vizepräsident des Deutschen Tennis-Bundes (DTB). Solch einen Großsponsor haben nahezu alle anderen deutschen Turniere. „In Berlin hätte schon die Deutsche Bahn oder Siemens einsteigen müssen“, sagt Kroeker.

Der Sponsor in Berlin war über drei Jahre der Tennis-Verband von Katar. An ihn hatte der DTB das Turnier verkauft. „Wir sind den Katarern dankbar, dass sie das Turnier fortgeführt haben, auch wenn der Abgang nun nicht gerade höflich war“, sagt Kroeker. Nun haben die Katarer jedoch ihr Interesse am Tennis in Berlin verloren, zum einen, weil die Verbandsführung nicht mehr dieselbe ist, zum anderen haben sie wohl genügend Wissen aus Europa abgezogen, das sie bei Veranstaltungen im eigenen Land anwenden können. Scheich Mohamed bin Faleh al-Thani, früher für das Tennis in Katar verantwortlich, will jetzt das Deutsche Galopp-Derby in Hamburg unterstützen.

Wie die in Berlin entstandene Lücke zu füllen sein könnte, weiß im Moment noch keiner. Der DTB hat offenbar noch nicht die Hoffnung aufgegeben, dass auch der Berliner Senat einspringt, um ein kleines oder größeres Turnier mitzuveranstalten. Am Mittwoch hatte der Senat noch mitgeteilt, ein Tennisturnier falle nicht in die Sportförderung. „Dann muss man es nicht Sportförderung, sondern Wirtschaftsförderung nennen, das Männerturnier in Hamburg bringt der Stadt auch 18 Millionen Euro ein“, sagt Kroeker, „und für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften gibt der Berliner Senat eine Ausfallbürgschaft über viele Millionen, obwohl sie im nächsten Jahr nicht wiederkommt.“ Immerhin bezuschusst der Senat ein Jugendturnier im Juli auf der Anlage von Rot-Weiß, mit dem der Klub kein Geld verdient.

Auf den DTB könnten sogar noch schlimmere Zeiten zukommen. Die Zahl der Mitglieder sinkt weiter, Mitte der Neunzigerjahre waren es noch 2,2 Millionen, inzwischen sind es 600 000 weniger. Dazu droht dem Verband die Insolvenz, wenn es die Anwaltskosten der Spieler-Organisation ATP in Höhe von 13 Millionen Euro zahlen muss. Wenigstens hat die Stadt Hamburg nun der Übertragung des Erbbaurechts für das DTB-Grundstück an den Club an der Alster zugestimmt. Das sichert dem Verband gut eine Million Euro.

Aus der Krise könnte den DTB laut Kroeker neue deutsche TennisHelden führen, die bei einem großen Turnier für Aufsehen sorgen oder im Davis-Cup weit kommen. „Es ist unsere Aufgabe als Verband, den Nachwuchs entsprechend zu fördern. Dazu haben wir unsere Mittel auf drei Bundesstützpunkte konzentriert.“ Auf Ergebnisse wird gewartet.

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