Sport : Wrights neue Rolle

Im Training motiviert der gesperrte Amerikaner seine Mitspieler vor Albas Spitzenspiel gegen Köln

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Michael Wright ist motiviert wie selten zuvor. Der US-Amerikaner sprintet über das Feld, kämpft um jeden Ball. Im Training. „Ich habe noch nie jemanden gesehen, der so professionell mit einer derartigen Situation umgeht“, sagt Alba Berlins stellvertretender Mannschaftskapitän Jovo Stanojevic. Wright wurde am späten Mittwochabend von der Anti-Doping-Kommission des Deutschen-Basketball-Bundes wegen Dopings für zwölf Spiele gesperrt. Flügelspieler Tanel Tein versucht, das Positive daran zu sehen: „Im ersten Training nach der Verhandlung hat Michael so hart trainiert wie selten. Da müssen die anderen natürlich mitziehen, um nicht schlecht auszusehen. Das ist eine schwere, aber gute Vorbereitung auf das nächste Spiel.“ In dem trifft Tabellenführer Alba Berlin heute in der Max-Schmeling-Halle auf den Bundesliga-Zweiten Rhein Energie Köln (18.30 Uhr, live auf Premiere).

„Die Begegnung hat den Charakter eines Play-off-Spiels“, verweist Albas Trainer Henrik Rödl auf die sportliche Relevanz. Köln hat, bei einem Spiel weniger, zwei Punkte Rückstand auf Alba. „Der Verlierer wird es schwer haben, seine Niederlage wieder wettzumachen“, sagt Rödl. Vor dem Start der Play-offs Mitte Mai haben die Berliner noch zwei Spiele, die Kölner drei. Der Tabellenerste hat die beste Ausgangsposition in den Play-offs, beginnt gegen den Achten und bekommt im ersten Spiel jeder Runde zuerst Heimrecht. Sind Alba und Köln nach Abschluss der Hauptrunde punktgleich, entscheidet der direkte Vergleich. Das Hinspiel gewann Köln 80:76. Alba müsste also mit fünf Punkten Differenz gewinnen, um den Vergleich für sich zu entscheiden. Außerdem erhält der Gewinner der Hauptrunde die meisten Punkte in der Wertung, die zur Qualifikation am Europapokal berechtigt. Nachdem die Berliner im Pokal, dem zweiten Wettbewerb, in dem es diese Punkte gibt, bereits ausgeschieden sind, wird jeder Zähler benötigt.

Die Max-Schmeling-Halle wird gegen Köln ausverkauft sein. Über 8000 Karten sind schon verkauft, die restlichen Tickets sind ab 13.30 Uhr an den Kassen der Max-Schmeling-Halle erhältlich. Zum dritten Mal in dieser Saison hat Alba damit ein volles Haus. Und das bereits vor Beginn der Play-offs. Das gab es in Albas 14-jähriger Vereinsgeschichte noch nie. „Die Liga ist in diesem Jahr wieder spannend. Das mögen die Zuschauer“, sagt Teammanager Henning Harnisch.

Ob Michael Wright nach seiner Sperre wieder für Alba spielen kann, ist derzeit offen. Der 25-Jährige muss weiter sein Medikament einnehmen, dass verbotene Amphetamine enthält. Eine Umstellung auf ein anderes Präparat ist nach Aussagen von Medizinern schwierig. Wie schwierig es sein kann, den Ausfall Wrights in einem Spitzenspiel zu kompensieren, haben die Berliner vor knapp zwei Wochen feststellen müssen. Ohne Wright verlor Alba das Pokal-Viertelfinale in Bonn 85:96. Damals stand das Team noch unter Schock, weil es die Nachricht von Wrights Suspendierung zwei Stunden vor Spielbeginn erhielt.

Auf das heutige Spiel ohne Wright konnte sich Alba gezielt vorbereiten. „Szymon Szewczyk und Guido Grünheid haben sich in den letzten Trainingseinheiten besonders reingehängt“, sagt Tanel Tein. Beide sind auf Wrights Position einsetzbar. „Wir sind mit, aber auch ohne Michael ein gutes Team“, sagt Tein. Trotzdem hofft er, dass Wright in dieser Saison noch mal in die Mannschaft zurückkehrt. Dann wären die Berliner nämlich zumindest im Halbfinale. Außerdem könnte Wright seine Energien wieder in die Spiele stecken. Und seine Mannschaftskameraden müssten sich im Training nicht so furchtbar anstrengen.

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