WRITERS  Corner : Du hast die Haare schön

von

So muss es abgelaufen sein, weltweit: Jedes nationale Olympische Komitee hat seinen jeweiligen Olympioniken eine kurze Botschaft mitgeteilt. „Liebe Leute, wir brauchen Portraitfotos von Euch für unsere Mannschaftsbroschüre, die in London jeder einsehen darf. Es gibt einen gemeinsamen Termin beim Fotografen. Wer keine Zeit hat, schickt einfach ein Passfoto, das zu Hause herumliegt.“

Nur so ist zu erklären, dass unter der Flut von Fotos mit dem immer gleichen Motiv – nettes Lächeln, schön frisiert – auch wahre Highlights auftauchen, die sich angenehm aus der Masse hervorheben. Michael Phelps zum Beispiel erscheint mit einem Foto, das wohl irgendjemand in seiner Wettkampfpause nachts um drei Uhr aufgenommen hat, als er fürchterlich bei einer Fete versumpft ist. Wirre Frisur, stumpfer Blick, Sechs-Tage-Bart.

Deutschland beteiligt sich unter anderem in Form des Schwimmers Helge Meeuw. Den hatte offenbar jemand abgelichtet, als Meeuw gerade als Kopie des Box-Impressario Don King zu einer Faschingsfete abtauchte. Meeuws Haare standen derart zu Berge, als hätte er gerade die Finger in einer Steckdose. Nur in einem Detail hat er den Box-Manager nicht ganz getroffen: Don King war besser rasiert.

Seit ein paar Tagen fällt sogar Britta Steffens Foto auf. Sie blickt gewohnt ernst, die Lippen zusammengepresst. Das Übliche halt. Aber das Motiv ist inzwischen überholt: Britta Steffen, die ein Rennen nach dem anderen verliert, taucht in London vorzugsweise fröhlich lächelnd auf.

In unserer Kolumne wechseln sich die Korrespondenten Friedhard Teuffel und Frank Bachner mit dem britischen Autor Roger Boyes und der deutschen Hockeyspielerin Natascha Keller ab.

0 Kommentare

Neuester Kommentar