Sport : Wucht statt Eleganz

Kroatien profitiert von Frankreichs Fehlern

Stefan Hermanns

Leiria – Dado Prso raffte alle Erinnerungsstücke zusammen, derer er habhaft wurde. Der Stürmer der Kroaten trug ein französisches Trikot vom Platz, packte einen jener silbernen Spielbälle dazu und erhielt am Ende auch noch die Trophäe für den „Man of the Match“. Es war ein großer Abend für den früheren Automechaniker, der erst spät den Eingang in die große Welt des Fußballs gefunden hat. Prso, 29, hatte seine Mannschaft gegen Frankreich 2:1 in Führung geschossen. Am Ende wurde es ein 2:2, und selbst das ist mehr, als die Kroaten erwartet hatten. Trainer Otto Baric sprach von einem wunderbaren Spiel und meinte wohl das Ergebnis.

Prso rannte viel, und wenn er am Ball war, versuchte er zu tricksen wie die Franzosen. Meistens stolperte er dabei entweder über den Ball oder über seine Füße. In der 52. Minute war Prso wieder einmal der Ball im Strafraum versprungen, der französische Verteidiger aber schlug ein Luftloch, Prso bekam eine zweite Chance und wuchtete den Ball zum 2:1 ins Tor.

Viel Wucht, wenig Eleganz – der kräftige Mittelstürmer verkörpert mit seinen technischen Problemen wie kein Zweiter das Spiel der kroatischen Nationalmannschaft. Vor einigen Jahren sah das noch anders aus. 1998 standen sich Frankreich und Kroatien im WM-Halbfinale gegenüber. Kroatien verlor nur knapp mit 1:2. Seitdem haben sich beide Teams fußballerisch weit voneinander entfernt.

Kroatien besaß damals mit Boban, Suker und Prosinecki eine Reihe hervorragender Fußballer. Jetzt wird das Mittelfeld unter anderem von Niko Kovac und Nenad Bjelica gebildet, die in der Bundesliga meistens auf der Bank sitzen. Das Problem der Mannschaft ist, dass sie an ihren Vorgängern gemessen wird. „Viele vergessen, dass wir ein kleines Land sind“, sagt Verteidiger Robert Kovac. Normalerweise hat eine Mannschaft wie Kroatien gegen Frankreich keine Chance. In Leiria profitierte sie davon, dass der Favorit immer noch auf der Suche ist nach der spielerischen Leichtigkeit. „Wir haben den Weg nach vorne nicht gefunden“, fand David Trezeguet, der das 2:2 erzielt hatte.

Neben taktischen Mängeln hatte Frankreichs Willy Sagnol im Team eine gewisse Müdigkeit im Kopf ausgemacht: „Das Spiel gegen England war sehr hart für die Psyche.“ Die Siegesgewissheit schlug in Überheblichkeit um. „Wir haben den Gegner zurück ins Spiel gebracht“, sagte Trainer Santini. „Wir sind zwar ein starkes Team, aber so bekommen selbst wir Probleme."

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